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Zeitensprung in der Sumpfblume: Konzert, Show, Theater – die Mischung macht’s

Da capo, Coppelius

Hameln. Durch den Spiegel – in das Licht. Das letzte Schlückchen Sekt, getrunken auf das erst 2016 aktuelle Video zur Ballade „Black is the Colour“, schenken ein: Coppelius. Wer mag, greift zu und trinkt auf die schwarze Gesinnung. Mit Blick auf die Leinwand links von der gewohnten Sumpfblume-Bühne eröffnet die Berliner Dampfrockband an diesem zeitversetztem Montagabend nach Weihnachten mit einer exklusiven Filmpremiere einen Hartholz-verstärkten Konzert- und Opernabend, der nicht nur weit gereiste Fans, sondern auch neugierige Einheimische dunkelorange entflammt. Ein Abend voller Überraschungen, der nach einem kräftigem „Da capo“ verlangt.

veröffentlicht am 30.12.2015 um 14:44 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:42 Uhr

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Autor:

Gabriele Laube
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Musikalisch bewegen sich Coppelius im selbst ernannten „Kammer-Core des 19. Jahrhunderts“, einer düsteren Metalcore-Variante irgendwo zwischen Fahrradklingeln und Fingern in den Ohren. Doch die satte Lautstärke passt ausgezeichnet zum Klanggefüge, auch wenn die Ohren klingeln. Schlagkräftige Trommeln (Nobusama), jubelnde Klarinetten (Max Coppella und Comte Caspar), vibrierende Saiten von Cello (Graf Lindorf) und Kontrabass (Sissy Voss) vereinen sich gefügig mit vielstimmigem Gesang (Bastille, Copella, Caspar, Lindorf), mal sanft, mal schrill, doch stets überzeugend. Die Zusammenarbeit funktioniert besonders gut bei eigenen Liedern wie „Schöne Augen“ oder „Time-Zeit“. Englisch-deutsch gemischte oder absurd-fantastisch gehaltene Texte machen es den Zuhörern nicht gerade leicht, erinnern sie doch an Erzählungen von Coppelius‘ Namensgeber, dem dunklen Dichterfürsten E.T.A. Hoffmann. Den textsicheren Fans, von Thüringen bis Ostwestfalen, gefallen die eigenen Lieder der Combo wie „Der Luftschiffharpunist“, in welchem der Held wie bei einer H. G. Wells-Alien-Invasion gegen Kraken aus Wolken und Sturm kämpft. Stampfende Rhythmen, packender Gesang, Dramatik pur, dann ertönt eine Klingel, das Kopfkino setzt aus. Der seichte Songtext zu „Gumbagubanga“ erfordert Humor oder Konzentration auf die dazugehörige Musik.

Dass hölzernes Metal auch mit Elementen aus Pop, Jazz oder Swing funktioniert, zeigt die große Bandbreite unterschiedlichster Lieder. Treibende Rockmusik sorgt für wirbelnde Köpfe, bei „Killers“ fällt es schwer, die Haltung zu bewahren, doch im Saal ist noch Platz für Bewegung aller Art. Auf der Bühne auch, und so tigern die Musiker von links nach rechts im Rhythmus der Musik. Die aus der viktorianischen Zeit ins Jetzt gehüpften Instrumentalisten und Sänger mit den klangvollen Fantasienamen glänzen mit Maske und stilechter Kostümierung wie Gehrock und Zylinder – ebenso wie beachtlich viele der zahlreich erschienenen Fans zwischen Thüringen und Ostwestfalen. Konzert, Show, Theater – die musikalische Mischung aus „hart und zart“ zündet und verblüfft: mit Gastsänger Rüdiger Frank. Der kleinwüchsige Schauspieler mimt die Märchenfigur Klein Zaches in der weltersten Steampunk-Oper am Gelsenkirchener Musiktheater mit Musik von Coppelius. Sein Auftritt mit mehreren Stücken aus der Rockoper bereichert das knapp zweistündige Konzert. Wenig überraschend erklingt auch das Liebeslied vom Anfang noch einmal, das akustisch gespielte „Black is the Colour“ kontrastiert charmant zum dampfmaschinenstampfenden Rock. Überraschend gut heizte bereits als Vorgruppe die junge Göttinger Band Nindriel dem Publikum ein.



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