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Hennes Bender am Goldfischteich

„Comedy kann auch sehr, sehr politisch sein“

Bad Pyrmont. Wäre er im Wahlkampf, stünde in seinem Wahlprogramm ganz oben wohl die Bitte an alle Bürger, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. „Manchmal erkennt man Quatsch nicht, wenn er nur groß genug ist“, sagt Hennes Bender. Am Sonntag, 6. September, um 20 Uhr tritt der Comedian beim „Goldenen Sonntag“ auf der Bühne am Goldfischteich in Bad Pyrmont auf. Redakteurin Julia Marre sprach vorab mit ihm.

veröffentlicht am 04.09.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:41 Uhr

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Herr Bender, Ihr Programm heißt „Egal gibt’s nicht“. Ist Ihnen denn überhaupt nie etwas egal?

Richtig. Es geht mir dabei unterschwellig um die Gleichgültigkeit. Ich versuche, zu jedem Thema eine Meinung zu haben, und möchte die Leute mit meinem Programm dazu auffordern, sich nicht hängen zu lassen.

Gehört so ein Inhalt denn in eine Comedyshow?

Ich bin in meiner Arbeit schon immer sehr gesellschafts- und konsumkritisch gewesen. Comedy kann auch sehr, sehr politisch sein. Ich kenne keine Grenzen oder Berührungsängste, sondern habe meine eigene verantwortliche Form, mit den Themen umzugehen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen.

Dabei kann Gleichgültigkeit manchmal ja auch ein feiner Zug sein…

Schon, aber den können wir uns nicht leisten. Es ist doch wie mit dem Flügelschlag des Schmetterlings: Jede unserer Entscheidungen hat irgendwie Einfluss auf den Rest der Welt. Die Leute, die mein Programm sehen, sollen nicht denken: „Ach, da macht der sich schon Gedanken, dann brauche ich das ja nicht mehr zu tun.“ Die Wahlen haben jetzt erst wieder gezeigt, dass etwas passiert. Das Abschneiden der Linken etwa zeigt, dass den Menschen nicht egal ist, was sich politisch abspielt.

Geht es in Ihrem Programm auch um Wahlen?

Ein bisschen. Persönlich liegt mir das Thema Konsum sehr nah. Ich komme ja aus Bochum, der Stadt, die durch Nokia und Opel in die Schlagzeilen geriet. Wir müssen uns nicht wundern, dass solche Konzerne dichtmachen, wenn wir weiterhin so konsumieren, wie wir konsumieren. Wenn wir nur zu Lidl und Kik gehen, weil die T-Shirts da nur zwei Euro kosten. Es geht auch ums Einkaufen und um Konsumwerbespots.

Welche Reaktion bekommen Sie dann: Werden Sie nach Ihrer Show von einem Besucher angerufen, der sich dafür bedankt, dass er jetzt drei Euro für einen Liter Biomilch im Reformhaus bezahlt?

Nein, solche Reaktionen bekomme ich nicht. Ich möchte ja auch zu keinem Boykott aufrufen, sondern nur aufmerksam machen. Eine kollektive Lösung biete ich nicht an. Aber den Hinweis, bewusster mit sich und der Umwelt umzugehen.

Und Sie selbst sind so entscheidungsfreudig, dass Sie spontan wissen, ob Sie beispielsweise Dosenmilch oder Vollmilch in Ihrem Kaffee lieber trinken?

Ja. Wobei ich mich ehrlich gesagt gerade auf eine Laktose-Unverträglichkeit beim Arzt testen lasse. Aber auch sonst habe ich meine Probleme mit Milch: Sie ist viel zu billig; die Milchbauern müssen ordentlich bezahlt werden. Was mir in der Stadt außerdem zurzeit überall auffällt, sind die Friseurdiscounter mit ihren Billigpreisen. Bald bekommt man wohl Geld dafür, dass man sich die Haare schneiden lässt!

„Meine Programme haben eine gewisse Moral“, sagt Hennes Bender. „Aber sie sind sehr, sehr lustig!“

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