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Fans feiern Coldplay in Hannover

Coldplay: Es lebe die Liebe

HANNOVER. „Ihr alle – nicht ein einzelner oder eine Gruppe – könnt dieses Leben frei und schön machen und zu einem wunderbaren Abenteuer“, fordert Charlie Chaplin im „Großen Diktator“ — genau dieser Friedensappell ist nicht nur das Intro zu Coldplays Auftaktsong „A head full of dreams“, es ist das Mantra dieses Freitagabends. Die vier Briten, allen voran Frontmann Chris Martin, wollen Liebe und Zuversicht versprühen.

veröffentlicht am 18.06.2017 um 19:43 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 10:31 Uhr

Coldplay beim Auftritt in Hannover: Sänger Chris Martin agiert auf der Bühne mit viel Elan. Foto: mz

Autor:

Franziska Winkler und Michael Zimmermann
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Gleich zu Anfang des Songs schießt regenbogenfarbenes Konfetti in Form von Friedenstauben in den Himmel. Das indische Holi-Fest ist hier klares Vorbild. Jedes Jahr im Frühling werden für einen Tag die Grenzen zwischen den Kasten aufgehoben und der Sieg des Guten über das Böse gefeiert.

Mandala-Muster schmücken die Bühne, tauchen auch auf der Leinwand auf. Chris Martin ist gut aufgelegt, mit einer Deutschlandflagge, befestigt an einer Gürtelschlaufe, läuft er energiegeladen immer wieder den 44 Meter langen Steg zur Bühne auf und ab, springt in die Höhe, geht in die Knie und strampelt mit den Füßen in der Luft herum. Es ist Lebensfreude und man kauft sie dem Frontsänger ohne jeden Zweifel ab.

Immer wieder wendet sich Martin mit Dankesreden und Friedensbekundungen ans Publikum, stets darauf bedacht, auch die hintersten Ränge mit direkter Ansprache einzubeziehen. „Ich sehe euch!“: Aus seinem Mund klingt es wahr.

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Die Gruppe gibt sich Mühe auch in Stadien eine gewisse Intimität und Nähe zu wahren. Laufend fängt die Kamera einzelne Besucher ein und überträgt sie auf die große Leinwand. Bei „Everglow“ gehen die Arme in die Höhe, und die am Eingang ausgeteilten Armbänder blinken funkgesteuert im Takt und verwandeln die HDI-Arena in ein Lichtermeer.
Balladen wie diese wechseln sich ab mit Hymnen wie „Viva La Vida“ oder „Charlie Brown“. Dabei fliegen immer wieder Raketen und noch mehr Konfetti in die Luft, Leinwand- und Laserinstallationen verwandeln den Innenraum in eine bunte Elektro-Tanzfläche.

Für drei Songs wechselt die Band auf die vier mal vier Meter kleine Bühne am Fuß der Arena. Hier werden „In my place“, Don‘t panic“ und „Us against the world“ akkustisch gespielt. In diesem Moment ist sie wieder da — die Indie-Band, die Mitte der 90er Musikliebhaber und -kritiker in ihren Bann gezogen hat. Als Chris Martin danach wieder für ein fulminantes Finale auf die über zehn Mal so große Bühne überwechselt, hat man fast das Gefühl, das Publikum sei erleichtert. Coldplay ist spätestens mit dem Album „Viva la vida or death and all his friends“ zu einer Stadionband geworden. Den Wandel der Band haben auch die Fans vollzogen: Jedes Alter ist vertreten. Was sie wollen, sind Songs zum Tanzen, Klatschen, Hüpfen und Mitsingen. Das bekommen sie. Und einen Chris Martin, der weiß, wie er sein Publikum in den Bann zieht, ihm schmeichelt („Beautiful Hannover!“), es animiert und in einer krisengebeutelten Zeit glücklich macht.

Passend zur einsetzenden Dunkelheit im Stadion wird bei „A sky full of stars“ ein großer Sternenhimmel auf die Leinwand projiziert. Die leuchtenden Armbänder verwandeln dabei jeden einzelnen Zuschauer in einen funkelnden, ausgelassen tanzenden Stern.

Als Beobachter mag das manchmal zu viel des Guten sein. Doch schaut man in die Gesichter der Anhänger, kann man sehen, wie beseelt und glücklich manche sind. Die Botschaft ist angekommen. Ihre Band hat wieder alles gegeben, Hit an Hit in perfekter Inszenierung gereiht und dabei trotzdem nicht die Publikumsnähe verloren.

Nach gut zwei Stunden verabschieden sich Coldplay ohne Zugabe, dafür aber mit einem filmähnlichen Abspann. Die letzten Luftschlangen hängen noch wie Reste einer guten Party an den Lautsprechern. Und das Publikum — das geht dahin — in Liebe.

Eine Bildergalerie vom Konzert finden sie auf dewezet.de

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