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Ein Stück Hamelner Geschichte

Chor-Musical der besonderen Art zu Ehren von Elsa Buchwitz

HAMELN. Es sollte eine Hommage an eine starke, unbeugsame Frau der jüngeren Hamelner Geschichte werden – und das ist eindrucksvoll gelungen. Die Rede ist von Elsa Buchwitz und ihren Kampf gegen die Abrisspläne zur Hamelner Altstadt durch den Rat der Stadt in den Siebziger Jahren. Günter von Lonski, sonst eher als Krimiautor bekannt, schuf gemeinsam mit Reinhard Großer, der für die Musik verantwortlich zeichnete, ein Musical, was nicht nur fesselte, sondern auch aufklärte.

veröffentlicht am 19.02.2018 um 11:06 Uhr

Die roten gegen die blauen Keime, mit Szenenapplaus dargestellt durch Kinder und Jugendliche vom Studio Bellabina. Foto: hx

Autor:

Peter Höxter
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Dabei trifft es das Wort Musical nicht ganz; denn es war eine erfrischend andere Symbiose aus Chorgesang, Schauspielerei, Lesung und besonderen Einlagen unter weitestgehendem Verzicht auf ablenkende Bühnendekoration. So fokussierten sich die rund 100 Zuschauer im Regenbogen ganz auf das Geschehen und erlebten eine Reise in die Hamelner Vergangenheit.

„Dem Fortschritt zur Ehre, wir rühmen die Hochfinanz“ und „Abfuhrlaster auf ganzer Front“, so besang der Chor die Zeit. 2016 hatten von Lonski und Großer die Idee zu diesem Musical. Sie wollten am Leben von Elsa Buchwitz beispielhaft das Schicksal einer Einzelnen aufzeigen, die sich gegen die Obrigkeit stellt und zunächst nicht durchsetzen kann. Doch auch der Aspekt, dass Engagement und Hartnäckigkeit am Ende zum Ziel führen können, war ihnen wichtig. Die gut recherchierte Geschichte um Elsas Leben begann mit einer getragenen Ouvertüre und wurde im Verlauf durch Zwischentexte – vorgelesen vom Autor selbst – inhaltlich angereichert.

Heike aus Hameln war zu dieser Zeit noch jung, hatte sie aber erlebt: „Ich habe viel Neues erfahren, damals hat man ja gar nicht so viel mitbekommen.“ „Das war gewollt“, so von Lonski, „denn der Rat ließ die Öffentlichkeit bei seinen auf eine moderne Shopping-City ausgelegten Stadtplanungen außen vor.“ Dagegen stemmte sich Elsa Buchwitz – im echten Leben übrigens nicht alleine, sondern mit den Verbündeten Wolfgang Steiniger und Hermann Kater – und ging letztendlich sogar selbst in die Politik. Buchwitz, Steiniger, Kater und noch weitere Mitstreiter schafften es, durch unermüdlichen Einsatz der Hamelner Altstadt ihr jetziges Gesicht zu erhalten.

Der Chor untermalte die Geschichte mit Liedern, die zur damaligen Zeit passten. Mal nachdenklich wie bei „Wenn die braven Bürger schlafen“ im Stil eines Kurt Weil, mal fröhlich wie beim „Lied der Elsa“, einem ungarischen Walzer. Der Zeit entsprechend auch die Kostümierung des Chores: Schlaghosen und Blümchenmuster. Szenenapplaus erhielten die Kinder und Jugendlichen aus dem Studio „Bellabina“ mit ihrer Tanzeinlage der roten gegen die blauen Keime, welche die zwischenzeitliche und lebensbedrohliche Lungenerkrankung von Elsa Buchwitz illustrierte. Diese Erkrankung bedeutete eine Zäsur im Leben der energischen Frau und führte letztendlich dazu, aus dem Ortsteil Rohrsen in die Altstadt zu ziehen. Hier eröffnete sie Jahre später das auch heute noch beliebte Pfannekuchenhaus. Einen Höhepunkt erreichte die Geschichte dann bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die liebevoll „Trümmer-Elsa“ genannte Frau im Jahr 1984 durch den damaligen Bundespräsidenten. Nun wurde sie nicht mehr belächelt. Elsa – spontan aber authentisch gespielt von der Regisseurin Kirsten Rohr, da die eigentliche Darstellerin erkrankt war – verstarb 1997. Sie hinterließ Hameln eine intakte Altstadt mit Flair und bewies, dass es möglich ist, das Unmögliche zu schaffen. „Gute Nacht, Hameln – gute Nacht, Elsa.“ Ein besonderer Abend ging mit diesem Satz zu Ende.



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