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Mit Ibsens „Nora oder ein Puppenhaus“ überzeugt das Theater der Altmark nicht

Chaotischer Trümmerhaufen auf der Bühne

Hameln. Garantiert nicht von Ibsen, was Nora da mit „verfickte Scheiße“ so en passant rausrutscht – aber durchaus treffend charakterisiert, was dem Theater der Altmark zum Thema „Nora oder ein Puppenhaus“ einfällt. „Starke Frauen“ als Motto für Dorothee Starkes letzte Hamelner Saison mit den „aufregendsten, mutigsten und klügsten Frauen der Theaterliteratur“, wie es in der Programmvorschau zur Spielzeit heißt. Antigone gehört dazu, Mutter Courage, Diktatoren-Gattinnen, die Mimi aus der „Bohème“ und natürlich die „Minna“.

veröffentlicht am 19.04.2016 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Und jetzt „Nora“ – die, wie schon Lessings Titelfigur auf unserer Bühne zum Revolver greift und final losballert. Scheint gerade in Mode zu sein. Eine radikale Lösung, die so weder bei Lessing noch bei Ibsen vorgesehen ist.

Ziemlich verlogen diese bürgerliche Schein-Fassade und eher Noras altes „Puppenheim“ denn „Puppenhaus“. Immerhin: endlich auch finanziell abgesichert. Der Herr des Hauses wird zum Bankdirektor befördert. Weihnachten steht vor der Tür – allerdings auch ein gewisser Krogstad, gewesener Winkeladvokat, von dem Nora sich vor Jahren Geld gepumpt hat um ihrem Torvald eine dringend empfohlene Kur im Süden zu finanzieren. Aus nichts als Liebe. Und Krogstad, dem die Kündigung in Torvalds Bank droht, findet heraus, dass Nora die Unterschrift für die Bürgschaft ihres Vaters gefälscht hatte. Die Geschichte kommt raus, Torvald macht Nora zur Minna, aber dann erweist sich alles als Fehlalarm. Also zurück auf Null und wieder Puppenheim. Nur Nora spielt nicht mehr mit.

Es hat Ibsen mehr als geärgert, dass er den Schluss seines Schauspiels vor der Uraufführung noch ändern musste. Nora sollte der Kinder wegen bleiben. Emanzipation hin oder her. Mittlerweile darf sie Torvald verlassen.

Am Freitagabend im nicht allzu gut besuchten Theater erschießt Nora ihren Affen von Mann und auch ihre beste Freundin. Chaos total und Nora (Linda Lienhard) im Mini-Hängerchen. Als kindlich moderne junge Frau, die sie wohl sein sollte und mit keinem der Probleme, mit denen Ibsens Titelfigur im 19. Jahrhundert kämpfen musste, damit Nora heute genau das erspart bleibt. Und Torvald (Tobias Ulrich) als Prolet im Unterhemd – ausgerechnet er, der so korrekt sein möchte und vermutlich selbst im Bett noch Krawatte trägt.

Manfred Riedel führt Regie. Die Bühne ein einziges Chaos auf der sich Papierfetzen türmen. Die Figuren: Krogstad (Thomas Weber) greift Nora einfach zwischen die Beine, der todkranke Doktor Rank (Carsten Faseler) versucht sich mit einem Steh-Quickie bei ihr und Frau Linde (Annett Siegmund) raucht und ist vorzugsweise missmutig.

Ein Tiefpunkt im Spielplan, der so hoffnungsfroh geklungen hatte. Ein Ibsen – endlich wieder. Und ausgerechnet bei ihm „verfickte Scheiße“. Genau damit treibt man das Publikum aus dem Theater. Der einzige – wenn auch höchst negative – Erfolg des Abends.



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