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Carl Zellers unverwüstliche Meister-Operette Der „Vogelhändler“ sorgt für ein voll besetztes Theater Hameln

Bunte Volksszenen mit wirkungsvollen Leistungen

Hameln. Was soll man noch über die 1891 in Wien uraufgeführte Operette „Der Vogelhändler“ sagen? Dem Ministerialrat Dr. Carl Zeller war mit diesem Werk ein Welterfolg beschieden, der unverwelkt bis in unsere Tage andauert. Das bewies am Freitagabend auch das bis auf den letzten Platz besetzte Theater, in dem dieser „Vogelhändler“ in einer Inszenierung der Operettenbühne Wien in Szene ging. Man mag zu einer solchen Tournee stehen, wie man will: Hier ist dem Leiter des Unternehmens, Professor Heinz Hellberg, ein beachtlicher Wurf gelungen.

veröffentlicht am 22.01.2012 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Ernst Wilhelm Holländer
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Er hat das Stück so inszeniert, wie man es gern sehen möchte: gefällig arrangiert, mit bunten „Volksszenen“, geschmackvollen Ensembles und wirkungsvollen Einzelleistungen. Freilich: Einiges geriet an die Grenze zum Klamauk, so der Auftritt der Professoren in dem hübschen Duett „Ich bin der Prodekan“ und das Auftrittslied der Kurfürstin „Fröhlich‘ Pfalz – Gott erhalt’s“ mit den so lustig Schirmchen schwenkenden Hofdamen. Dafür geriet das herrliche Ensemble „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ zu einem Höhepunkt, und auch das „Ahnerl-Lied“ wurde fernab jeden Schmalzes anrührend gestaltet. Dazwischen viele gelungene Szenen. Und das Bühnenbild (Adrian Boboc) sowie die wahrlich aufwendigen Kostüme (Lucya Kerschbaumer) ließen den Abend auch zu einer Augenweide werden.

Musikalisch gab es ein Defizit. Denn das wahrlich nicht stattlich besetzte Orchester (acht Geigen, zwei Celli, ein Kontrabass, dazu etliche Bläser und Schlagzeug) klang über lange Strecken sehr dünnblütig, wenn auch der Dirigent Dorian Molhov sich um einige Klangschönheit bemühte und den Aufführungs-Apparat fest im Griff hielt, sich auch in Tempi und Dynamik an die Partitur hielt.

Im Ensemble erlebte man Unterschiedliches. Die Palme gebührt hier dem Träger der Titelpartie: Stefan Reichmann war wirklich der Vogelhändler aus Tirol, und er sprach in seiner Mundart so weitgehend unverständlich, dass es schon wieder eine Lust war. Als Sänger und Darsteller setzte er echte Akzente. Neben ihm war es die Briefchristel, die bei Susanne Fugger in besten Händen und bei bester Stimme war – stammte sie denn auch aus Österreich? Für die Kurfürstin Marie setzte Elena Schreiber ihren in der Höhenlage etwas gleißenden, sonst wohlklingenden Sopran ein: Sehr schön gelang „Als geblüht der Kirschenbaum“, allerdings in fragwürdiger Kulisse. Andreas Jankowitsch war ein glaubwürdiger, textverständlich singender Baron Weps, die beiden Professoren wurden von Peter Erdelyi und Urs Mühlethaler recht karikiert geboten, aber das ist man gewohnt. Nicht zu vergessen: Linde Rupp lieferte als Hofdame Adelaide eine Charakterstudie, die auch einen gehörigen Schluck Bier vertragen konnte. Die an sich wichtige Rolle des Grafen Stanislaus freilich blieb in der Darstellung von Hristofor Yonov erstaunlich blass, wenn auch stimmlich manchmal ein Glanzlicht aufleuchtete.

Bleibt noch der zahlenmäßig sehr kleine, aber klangschön singende Chor zu erwähnen. Auch die Tanzgruppe wirkte in ihrem kurzen Einsatz (Choreografie: Enrico Juriano) erfrischend.

So genoss man diesen Abend mit einer klassischen Operette und dankte mit lang anhaltendem Beifall. Man wünschte sich wohl mehr davon.



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