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Das Ukulele Orchestra of Great Britain zeigt im Theater Hameln, dass es auf die Größe nicht ankommt

Britische Wurstfinger und bunte Liedschnitzel

Hameln. Dieser Moment ist so selten wie der, in dem ein Wellensittich draußen im Vogelhäuschen einen Meisenknödel frühstückt. Dieser Moment ist etwas ganz Besonderes. Am Montagabend war er da. Auf der Bühne des Hamelner Theaters sitzt das Ukulele Orchestra of Great Britain: sieben Musiker auf sieben Stühlen, vor fünf Notenständern, 13 Mikrofonen und acht bis neun Instrumenten. Ihre Ukulelen singen, wie der Engelschor es in Weihnachtsliedern tut. Hell und klar zittert die Melodie aus den Saiten: „Slave to the Rhythm“ von Grace Jones. „Keep it up, keep it up“, reden die männlichen Stimmen zu Kitty Lux’ wundervoll nonchalantem Gesang. Das Arrangement ist überaus spannend, jederzeit stimmig – und es drückt dem 80er-Jahre-Hit einen eigenen Stempel auf. Prädikat: besonders wertvoll. Das ist die gute Nachricht.

veröffentlicht am 17.01.2012 um 15:44 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Die schlechte Nachricht ist, dass das Ukulele Orchestra den Zauber dieses knapp fünfminütigen Moments einfach verfliegen lässt. Natürlich gibt es während ihres zweistündigen Sitzkonzerts im rappelvollen Theatersaal viele weitere gute Songs. Es gibt viele eindrucksvoll gespielte Soli, viel unterhaltsamen und sehr sympathischen britischen Humor, viel technische Brillanz. Aber kein anderes Stück inszenieren die Musiker derart magisch und umwerfend wie das von Grace Jones. Auch wenn die ungewöhnliche Instrumentierung mit sieben Ukulelen fasziniert – die Arrangements kosten diese Besonderheit nur selten richtig aus.

Durch und durch ein Saalfeger ist der müde „Mexican Waltz“. Ihn gibt das Ukulele Orchestra als allerletzte Zugabe – ausgerechnet! „Pinball Wizard“ von The Who hingegen haben die Musiker als reines Vokalstück arrangiert – das ist außergewöhnlich. Das wuchtig gespielte „Smells Like Teen Spirit“ veranlasst sogar jene Zuschauer zum Mitwippen, die keine Nirvana-Platten im Regal stehen haben. Und auch die „ernst music“, wie Bandleader George Hinchliffe sie launig anmoderiert, kommt mit der Camille-Saint-Saëns-Interpretation nicht zu kurz. Ob Lemmy Kilmisters „Silver Machine“ oder der Sex-Pistols-Kulthit „Anarchy in the UK“ im Singer-Songwriter-Stil: Das Repertoire des Ukulele Orchestras klingt wie ein Mixtape voller Lieblingssongs. Dass Hin- chliffe sich über die Berliner Philharmoniker amüsiert, die ja nur eine Coverband unter vielen seien, wirkt seltsam befremdlich: Denn eigene Stücke spielt auch das Ukulele Orchestra nicht.

Auf dem Ohrwurm-Buffet servieren die Musiker neben frisch Zubereitetem auch Aufgewärmtes, das sie schon 2010 bei ihrem Konzert spielten, darunter zwei All-you-can-hear-Songs. In ihnen schnitzeln sie so viele Versatzstücke und Zitate aus der Musikgeschichte zusammen, dass Jonty Bakes einen der Titel glatt Karl-Theodor zu Guttenberg widmet. Dann stimmt er David Bowies „Life on mars“ an, während Hinchliffe Frank Sinatras „My Way“ hineinkopiert. Das ist witzig und funktioniert live gut.

Als sich die sieben Musiker mit ihren sieben Instrumenten verbeugen und abmarschieren, endet ein abwechslungsreiches, schönes Konzert.

„Sausage fingers“, die Wurstfinger, sind nicht von Vorteil, wenn es darum geht, diese bayerische Baby-Ukulele zu spielen. George Hinchliffe versucht es dennoch – und ist erfolgreich. Foto: geb



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