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Hamelner Ballettschule mit Tschaikowskys „Der Nussknacker“ im Theater frenetisch gefeiert

Blumenorgie für Ballettratten

HAMELN. Wenn es ein Ballett gibt, ein Nachmittag füllendes dazu, das sich geradezu ideal auch für Ballettschulen eignet – Fantasie vorausgesetzt: Tschaikowskys berühmtes Märchenballett „Der Nussknacker“ erfüllt auch hier alle Wünsche. Traditioneller Weihnachtshit, in dem Kinder unterm Weihnachtsbaum allemal eine wichtige Rolle spielen, aber auch in der Überleitung ins Reich der Zuckerfee bei der Begegnung mit der Schneekönigin, Schneesturm inklusive.

veröffentlicht am 20.02.2018 um 16:35 Uhr

Das Ballett in der Choreografie von Birgit Ruoff verzaubert die Zuschauer durch ihre Anmut und Eleganz. foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter

Bei der Uraufführung 1892 in St.Petersburg, standen allein 59 Kinder als Schneeflöckchen auf der Bühne und auch die Divertimenti des 2. Aktes – sonst als brillante Nummern wie Perlen aneinandergereiht – eignen sich nicht nur für Hamelner Ballettratten. Und Mäuschen spielen mit Zinnsoldaten eine ganz eigene Rolle, wenn es um Mitternacht im Weihnachtszimmer zur Schlacht kommt.

Und immer wieder erinnert eine bezaubernde Nussknacker-Aufführung vor vielen, vielen Jahren in unserem Theater noch unter Rosel Freese-Baus. Jetzt hat ihre Tochter, Birgit Ruoff, am Sonntagnachmittag im rappelvollen Theater die Choreografie übernommen – und wieder sind es die so vielen ebenso liebenswerten wie überraschenden Details, die neben den sensationellen Kostümen für Furore sorgen. Und immer noch gilt – wie schon früher: nichts zu forcieren. Die Kinder nicht zu überfordern. Aber oft mit einfachen Mitteln große Wirkung zu erzeugen.

Und was sollte sechs kleine Zuckerbäcker mit ihren Kochmützen toppen können, die kleinen Bienen, die auf die Bühne schwärmen, die Clowns in ihren bezaubernden Kostümen, und zuvor schon die Mäuse und Zinnsoldaten, die Winterzweige und Schneeflocken. Und wunderschön gelöst die traditionellen Tänze vom spanischen über den chinesischen, einer Mazurka und ungarischem Tanz, die Hofdamen und die Kleinen mit Zuckerwatte in freier Reihenfolge und nicht ans Libretto gebunden. Und jeder Auftritt eine neue Überraschung – und für die schon etwas älteren Semester reichlich Gelegenheit, ihr Können zu demonstrieren. Auch auf der Spitze.

Ein Feuerwerk an optischen Eindrücken – und Solisten, die zeigen dürfen, was sie können. foto: geb
  • Ein Feuerwerk an optischen Eindrücken – und Solisten, die zeigen dürfen, was sie können. foto: geb

Es beginnt traditionell vor dem Vorhang. Kinder strömen mit ihren Geschenken zur Weihnachtsfeier an Heilig Abend ins festlich geschmückte Haus des Präsidenten, dessen Kinder Klara und Franz formvollendet ihre Gäste begrüßen. Patenonkel Drosselmeier – Tschaikowsky komponierte für seinen Auftritt eine gleichermaßen furchteinflößende wie komische Musik. Aus dem Glockenspiel mit dem Pas de quatre macht Birgit Ruoff zwei Solo-Nummern für Pierrots und der berühmte Großvatertanz, traditioneller Abschluss von Festlichkeiten, wird von den kleinen Besuchern gestaltet.

Start in Klaras Traumwelt, die hier kindlich bleibt. Kein Initiations-Ritus, der Klein-Karla über Nacht zur Frau reifen lässt. Mama nimmt sie auf die Arme und trägt sie ins Bett. Beeindruckende Schneebilder – besonders hübsch Karlas zuckersüßes Segelboot, das sie samt Nussknacker – längst ein Prinz – ins Reich der Zuckerfee bringt.

Ein Feuerwerk an optischen Eindrücken – und Solisten, die zeigen dürfen, was sie können. Carolin Grupe als Klara ist einfach nur bezaubernd und Anna-Marie Eckhard gestaltet ihren Drosselmeier nicht ganz so skurril oder dämonisch, wie er sonst gerne dargestellt wird. Svenja Fischer als Nussknacker-Prinz mit souveränen jetés und Pauline Tolkmitt als Schneekönigin – auch auf Spitze spitze. Kira Frömberg als Zuckerfee – beeindruckend der Pas de deux mit dem Prinzen, dem Solo-Variationen mit vielen Schrittkombinationen und perfekt getanzte Pas de chats vorangehen. Chapeau!

Eine bezaubernde Afführung, die nicht nur einen Blumenwalzer kennt – zuletzt auch eine Blumenorgie. Und fast unendlich viele strahlende Gesichter.


Zweite Aufführung am Sonntag, 25. Februar, um 16 Uhr im Theater Hameln.

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