weather-image
26°
Rostands „Cyrano de Bergerac“ im Theater Hameln

Blitzende Degen, poetische Briefe

Edmond Rostands Liebesgeschichte „Cyrano de Bergerac“ hatte das „Poetenpack“ für das Hamelner Theater im Gepäck – ein spannendes und liebenswertes Stück über einen Haudegen mit poetischem Talent, der an seiner zu langen Nase leidet.

veröffentlicht am 06.05.2018 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 06.05.2018 um 19:50 Uhr

Sprachvirtuose mit langer Nase: Cyrano de Bergerac (Mitte). Foto: Constanze Henning
pe

Autor

Richard Peter Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Früher gerne kolportiert – was man heute nicht einmal mehr denken sollte: Eine Frau braucht mindestens drei Männer. Einen Wohlhabenden, der alles finanziert, einen mit Esprit und einen Beau fürs Bett. In Edmond Rostands Komödie findet die schöne Roxane zumindest zwei Ansprüche befriedigt – und könnte auch die dritte Komponente für sich verbuchen. Ihr Irrtum: Sie glaubt an ihren Schönling samt Geist. Den der sich allerdings bei Cyrano de Bergerac besorgen muss. Also letztlich nicht eine Frau, die drei Männer braucht – sondern drei sonst gestandene Mannsbilder, die in ein und dieselbe Frau verliebt sind.

Den Cyrano gab’s wirklich und Rostand hat sich intensiv mit dem Dichter und Haudegen beschäftigt, der ein Problem hatte: seine überlange Nase – die zu unendlich weiteren Problemen führte. Denn der Fantast, der so sensibel mit Sprache umgehen konnte, war mit dem Degen ein Haudrauf, der alle ins Jenseits beförderte, die seine Nase auch nur am Rande erwähnten.

So beginnt das Stück – im Original findet eine Commedia dell’arte-Aufführung statt – hier ist es am Freitagabend mit dem Theater „Poetenpack“ auf unserer Bühne ein Sänger. Kein guter – aber ein lustiger. Bis Cyrano ihn von der Bühne vertreibt und von Vicomte Valvert gefordert wird. Eine Degen-Nummer, sauschwer und für Schauspieler allemal eine schweißtreibende Angelegenheit. Kompliment an Reiner Gabriel als Cyrano und Felix Isenbügel als Vicomte Valvert, die das ziemlich professionell abspulen. Schon hier viel Lyrik, die über die Rampe sprudelt.

Dann der Bruch: Roxane trifft Cyrano, der macht sich Hoffnung und muss erkennen, dass er bei seiner Cousine nicht nur keine Chancen hat. Ausgerechnet er soll Christian de Neuvillette – na, wenn das nicht nach Casanova klingt – beschützen. Und noch einen draufgesetzt: Christian bittet ihn um Unterstützung bei seinen „billets doux“. Das ist ein herber Schlag ins Kontor. Dennoch: Cyrano willigt ein. Aber da ist noch Graf Guiche, der Roxane schon als seine Mätresse sieht – und abserviert, sich bitter rächt. Christian und Cyrano werden nach Arras abkommandiert. Cyrano schickt täglich zwei Liebesbriefe – wenn auch in Christians Namen – an Roxane.

Neuvillette stirbt im Kugelhagel – Roxane kommt, findet einen rührenden Brief in seinen Händen. Geht ins Kloster. Und Cyrano jeden Samstag bei ihr mit den neuesten Klatschgeschichten. 15 Jahre lang – dann wird der alte Haudegen überfallen und schwer verletzt – stirbt bei Roxane. Eine immer wieder ergreifende Szene, wenn er die letzten Zeilen des letzten Briefes zitiert und Roxane von der Realität überrumpelt wird.

Ein immer noch liebenswertes und spannendes Stück, das gefangen nimmt. Es ist nicht alles Gold beim „Poetenpack“ wie die Rosetten an den Säulen, die für so vieles und schnelle Umbauten stehen. Mit ein paar überflüssigen, aber auch einer beeindruckenden Musiknummer mit Andrea Seitz als Mutter Marguerite – und wie die meisten Rollen doppelt und dreifach besetzt. Hervorzuheben auch Dietmar Pröll als Cyranos Freund und Michael Gerlinger als Graf Guiche. Und immer wieder Reiner Gabriel als so empfindsamer Draufgänger. Ein Verse-Drama gegen preziöse Modernismen gesetzt. Und Cyrano, der von sich sagt: „Und ich bin Lazarus.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare