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Virtuos, fröhlich und farbig: Trio Roseau bietet beeindruckende Kammermusik

Bis an die Grenze des Möglichen

HAMELN. Es war Kammermusik vom Feinsten, die man in der ersten Serenade des neuen Jahres im Haus der Kirche zu hören bekam. Im Trio Roseau musizieren drei hochkarätige Holzbläser-Solisten, die – jeder für sich – zur Elite ihrer Berufe zählen.

veröffentlicht am 04.02.2018 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 04.02.2018 um 21:30 Uhr

Das Trio Roseau unterhielt im Haus der Kirche mit Werken von Ibert, Piazolla und Mozart. Foto: wfx
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter
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Rachel Frost spielt Englischhorn und Oboe, Ulf-Guido Schäfer Klarinette und Malte Refardt Fagott, und alle drei haben sich zu diesem ungewöhnlichen Ensemble zusammengefunden, das wenige Original-Kompositionen, vor allem aber reizvolle und künstlerisch hochwertige Bearbeitungen spielt.

Die Oboe mit ihrem leicht näselnden Klang ist meist melodieführend eingesetzt, die Klarinette klingt in der Mittellage weich und sonor (man denke an Carl Maria von Weber), in der Höhe zuweilen auch grell, und das Fagott ist eher als Grundierung zu hören. Hier hörten wir diese Instrumente bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, virtuos, klanglich weitgespannt, oft im besten Sinne „schön“. Die drei Solisten sind in bedeutenden Orchestern tätig, die beiden Herren in der Radio-Philharmonie Hannover.

Zu Beginn erklang eine durchweg fröhliche „Unterhaltungs-Musik“: fünf Stücke für Trio des Franzosen Jaques Ibert, entstanden 1935, munter parlierend in den schnellen Sätzen, dazwischen fast „romantisch“ in den langsamen Partien. Alle folgenden Werke waren in Bearbeitungen zu hören, und hier muß man Ulf-Guido Schäfer herausstellen, der auch als Arrangeur einen geachteten Namen hat. Wer Mozarts vorletzte Oper „La Clemenza di Tito“ einmal gehört hat, mag die Harmoniemusik zu diesem Werk (uraufgeführt im Todesjahr des Komponisten) besonders genossen haben, auch wenn man wohl die Ouvertüre, nicht aber die Solo-Nummern und das Finale wiedererkannte. Immerhin, man durfte im Wohllaut schwelgen.

Mozart hat neben den großen und wohlbekannten Werken viel hörenswerte Gelegenheits-Musik geschrieben. Das Divertimento in B-Dur, KV 439, wird im Original von Bassethörnern gespielt, die einheitlich (vielleicht gar etwas langweilig) klingen. Schäfers Bearbeitung für das Trio Roseau bringt dem reizvollen Werk erheblich mehr Farben, auch größere Durchsichtigkeit. Die drei Künstler musizierten es mit hörbarer Freude, natürlich in hochwertiger Qualität.

Zum Höhepunkt des Abends wurden die abschließend gespielten Stücke von Astor Piazzolla. Dieser vielseitige Musiker gilt als „König des Tangos“, wenngleich die zahlreichen Kompositionen, die diesen in Argentinien einst eher geduldeten Tanz verwenden, im „neuen Tango“ doch ganz anders klingen. Piazzolla war hier schon ausgebildeter Meister großer Formen in oft ungewöhnlichen instrumentalen Besetzungen. Das Trio Roseau musizierte die „Deux Pièces en Trio d’anches“ mit vollem Einsatz, hervorragend aufeinander eingespielt, klanglich bei aller Schärfe ausgewogen. Die Musik ist nicht gerade Labsal für verwöhnte Ohren, fasziniert aber gleichwohl. Und im „Frühling“ aus den „Estaciones Portenas“ oder im „Café“ aus „L’Histoire du Tango“ in so reizvoller Besetzung kann man sich wohl farbprächtig gemalte Bilder vorstellen.

Herzlicher Beifall, und möglicherweise hatte man noch eine Zugabe erhofft: vielleicht ein weiteres Stück aus der reichhaltigen Werkstatt Piazzolla?

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