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Aleks Slota verlegt die Sage ins Jahr 2019 und macht daraus eine Performance

Berliner Künstler zieht als Rattenfänger durch Ravensburg

RAVENSBURG/HAMELN. Neun Jahre alt war Aleksander Slota, als er das erste Mal die Geschichte des Rattenfängers von Hameln gehört hat. „Ich war noch ein Kind und lebte damals mit meiner Familie in Polen“, erinnert er sich. Heute, mehr als 30 Jahre später, lebt Slota in Berlin, ist gefragter Performance-Künstler und hat sich für sein jüngstes Projekt an die Sage erinnert.

veröffentlicht am 10.05.2019 um 17:40 Uhr

Aleks Slota zog als „Pied Piper“ durch die Innenstadt von Ravensburg. Foto: Laure Catugier
Julia-Marre-Redakteur-Kultur-Dewezet

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Denn als „Pied Piper“, als Rattenfänger, ist Slota kürzlich für eine mehrtägige Performance durch die Ravensburger Altstadt gezogen. Warum? „Mir gefiel die Idee, als charismatische Person die Menschen zu verführen. Außerdem wollte ich damit experimentieren, wie es ist, Leute anzuführen.“ Recherchiert hat der Künstler unter anderem auf der Internetseite der Stadt Hameln. In pinkfarbener Jacke, mit quietschbunten Socken und ausgestattet mit einem eigens dafür gebauten mobilen Soundsystem, das er sich umgehängt hatte, steuerte Slota während seiner Aufführung über ein Tablet die Musik: einen Mix aus deutschem Schlager, polnischem Disco-Polo und amerikanischem Pop-Country. „Das ist meine Version des Rattenfängers, wie ich ihn mir im Jahr 2019 vorstelle“, erklärt der Künstler, der für seine Performance die Genres Fine Art mit ihrer Ästhetik und Sound kombiniert.

Auf die Idee für dieses Kunstprojekt hat ihn im Übrigen eine Dokumentation über Krautrock gebracht: Der ehemalige „Ton, Steine, Scherben“-Schlagzeuger Wolfgang Seidel sprach darin über den völlig unpolitischen Schlager. „Das hat mich gereizt, den Schlager mit seinen simplen Liedern über Liebe in einen komplett anderen Kontext zu heben“, so Slota. Er destillierte die Musik, spielte von Roland Kaisers Lied „Warum hast Du nicht Nein gesagt“ beispielsweise nur drei Sekunden lange Versatzstücke, sogenannte Loops, die er live mit eigenem Gesang begleitet hat.

Erlebt hat der Künstler viele positive Reaktionen der Passanten in der 50 000 Einwohner zählenden Stadt in Oberschwaben: Drei Tage lang beobachtete er, wie ihm Ravensburger Kinder folgten. Wie er Jugendliche zum Tanzen brachte. Autofahrer zum Hupen animierte. Und vielen Fußgängern ein Lächeln entlockte. Die Performance bewege sich „am Rande der Kunst“. Und das funktioniere gut, sagt Slota, „weil viele Passanten gerade nicht einordnen können, was sie da sehen“. Die Rolle des modernen Minnesängers einzunehmen, hat dem Künstler viel Freude bereitet – „denn diese Art der Performance ist für mich der direkteste Weg, mit meinem Publikum in Kontakt zu treten“.

Slota, der 1978 in Polen geboren wurde, hat Fotografie an der „State University of New York“ in Buffalo studiert und anschließend in Chicago die „School of the Art Institute“ besucht. Zurzeit bereitet er eine Performance vor, die er in Paris zeigen wird. Sein „Rattenfänger“ jedoch ist und bleibt ein einmaliges Projekt – wiederholen möchte Slota die Performance nämlich nicht.



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