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Filmfestspiele mit 19 Weltpremieren und Staraufgebot

„Berlinale“ beginnt morgen – die Stadt putzt sich heraus

Berlin. Die Berlinale-Bären am Potsdamer Platz stehen und trotzen der Kälte. Über den roten Teppich marschiert eine Reinigungskraft. Und für den Kartenvorverkauf, der am Montag begonnen hat, standen Cineasten lange an. Deutschlands wichtigstes und größtes Festival beginnt morgen: die Internationalen Filmfestspiele von Berlin. Die 62. „Berlinale“ steht im Zeichen der Aufbrüche und Umbrüche in der Gesellschaft. Das Filmfestival präsentiert bis zum 19. Februar 395 Filme in ausgewählten Berliner Kinos.

veröffentlicht am 07.02.2012 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Rudolf Worschech
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Morgen Abend wird sich der Vorhang im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz zum ersten Mal heben: Zur Eröffnung des Wettbewerbs 2012 zeigen die Festspiele „Les adieux à la Reine“. In seinem Kostümfilm mit Diane Kruger und Léa Seydoux beschreibt der französische Regisseur Benoît Jacquot die Französische Revolution aus Sicht der Dienerschaft in Versailles. Der Film entstand nach dem Roman von Chantal Thomas. Er läuft als Weltpremiere in Berlin.

Bis zum 19. Februar konkurrieren 18 Filme um die Goldenen und Silbernen Bären, fünf weitere laufen außer Konkurrenz. Die meisten Filme im Wettbewerb sind Weltpremieren – vielleicht versucht das Festival damit, die vernichtende Kritik am letztjährigen Wettbewerb zu kontern.

Weitere Weltpremieren sind der neue Film des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza: In „Captive“ spielt Isabelle Huppert eine von der Terroristengruppe Abu Sayaf gekidnappte Entwicklungshelferin. Oder „Caesar Must Die“ der Brüder Taviani und Billy Bob Thorntons „Jayne Mansfield’s Car“, der in Koproduktion mit Russland entstanden ist. Ebenfalls Weltpremieren sind die drei deutschen Beiträge: In „Barbara“ schildert Christian Petzold die Biografie einer Ärztin in der DDR 1980, die einen Ausreiseantrag gestellt hat und in die Provinz abgeschoben wird. „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid ist die Geschichte einer Familie, die zusammenbricht. Und in Matthias Glasners „Gnade“ wandert ein deutsches Paar nach Norwegen aus, wird aber mit einer alten Schuld konfrontiert. Vor einigen Jahren hatte Glasner mit seinem Vergewaltiger-Drama „Der freie Wille“ in Berlin für Diskussionen gesorgt.

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In den Wettbewerb eingeladen sind auch die neuen Arbeiten des ungarischen Enfant terrible Benedek Fliegauf (dessen erster Film „Dealer“ im Forum der Berlinale lief), von Stephen Daldry („Extrem laut und unglaublich nah“) und Zhang Yimou, der sich in „The Flowers of War“ mit dem Nanking-Massaker beschäftigt. Es ist ein Wettbewerb, der auf Entdeckungen hoffen lässt.

Da dürfte es rege Diskussionen unter den Mitgliedern der Internationalen Jury geben, die hochkarätig besetzt ist. Der britische Regisseur Mike Leigh präsidiert einem erlauchten Gremium; ihm gehören der niederländische Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn, der iranische Regisseur Asghar Farhadi („Nader & Simin“), die französisch-britische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, der US-Schauspieler Jake Gyllenhaal, der französische Regisseur François Ozon, der algerische Schriftsteller Boualem Sansal sowie die deutsche Schauspielerin Barbara Sukowa an.

Die Hommage des Festivals gilt Meryl Streep, die ihren neuen Film „Die Eiserne Lady“ vorstellen wird. Zum Programm der Hommage gehören unter anderem die Filme „Kramer gegen Kramer“, „Sophies Entscheidung“ und „Die Brücken am Fluss“, allesamt Klassiker des neueren amerikanischen Kinos. Geehrt wird mit der Berlinale-Kamera auch der Regisseur Haro Senft, einer der Unterzeichner des Oberhausener Manifests, dessen Verkündung sich am 28. Februar zum 50. Mal jährt. Haro Senft hat sich vor allem um den deutschen Kinder- und Jugendfilm verdient gemacht.

Das Großereignis der Retrospektive des Festivals, die in diesem Jahr die „linke“ deutsch-russische Filmfirma Meschrabpom vorstellt, ist die restaurierte Fassung des Stummfilmklassikers „Oktober“ von Sergej Eisenstein, der die russische Revolution nachzeichnet. Auch in der Sektion „Berlinale Special“ läuft ein restaurierter Film: „The Life And Death of Colonel Blimp“ des legendären Duos Michael Powell und Emeric Pressburger. Weltpremieren in dieser Sektion sind „Glück“, der neue Film von Doris Dörrie, sowie „I, Anna“ von Barnaby Southcombe mit Charlotte Rampling und Gabriel Byrne.

Damit der rote Teppich auch rot leuchtet, wird er noch einmal gereinigt. Foto: dpa

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