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Das Ensemble Raro musiziert Werke der Spätromantik und Moderne

Beifall wie ein kleiner Sturm

Hannover. Das Andante cantabile aus seinem Klavierquartett als Zugabe und damit Robert Schumann als indirekten Namensgeber geehrt – es war der noble und klangsüße Abschluss des jüngsten Konzertabends bei der Kammermusikgemeinde Hannover. Zu Gast: das Ensemble Raro.

veröffentlicht am 01.03.2012 um 18:59 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Es mag platt klingen, aber tatsächlich beschreibt der Name, den sich das Ensemble gab, seinen Musizierstil. Denn es erfüllt Schumanns Idee, wie er sie in einem Brief an Heinrich Heine formulierte: „Florestan und Euseb ist meine Doppelnatur, die ich wie Raro gern zum Mann verschmelzen möchte.“

Die temperamentvolle Glut und gleichermaßen die sich aufdrängenden Empfindlichkeiten Mahlers: In seinem Quartettsatz a-moll sind sie in komprimierter Form anwesend und prägnanter nicht darzustellen, als es diesen vier überragend musizierenden Musikern gelang. Mit Recht nahm schon der erste Beifall die Ausmaße eines kleinen Sturms an.

Auch die Interpretation des Brahmsschen Klavierquartetts c-moll op.60 atmete diese Weite der Empfindungen – alles deutlich, aber im Sinn von „Meister Raro“ nie ausufernd – ob klangschön oder rau. Wie auch bei Mahlers Werk auffallend, dass die Pianistin Diana Ketler bei aller Dominanz ihres Parts mit variantenreicher Tongebung selbst im vollgriffigsten Fortissimo das Maß im Zusammenspiel mit den Streichern traf.

Solch sensible Eindringlichkeit hob die Wiedergabe des Klavierquartettes von Peteris Vasks in besondere Dimensionen. Überraschend: die Homogenität des Streicherklangs, als ob die Instrumente das Werk eines einzigen Instrumentenbauers wären. Da sind alle Klangfärbungen realisiert und Nahtstellen verschwinden, wenn, wie in den „Canti drammatici“, die solistisch geführte Melodie vom Cello (Adrian Brendel) an die Viola (Razvan Popovici) und von dort an den Geiger Alexander Sitkovetsky weitergegeben wird. Der Stil, mit dem überragend musiziert wird, lässt angesichts fahler Klänge, pochender Wiederholungen eines Tones, sich reibender Intervalle oder wütender Ausbrüche viel Raum für Empfindungen.

„Die Musik Peteris Vasks’ ist stets von Trauer und Melancholie umweht. Aber immer ist auch die Hoffnung immanent“, sagte die Kulturförderin Indra Wussow. Einfacher und treffender ist die Welt des lettischen Komponisten nicht zu beschreiben – und wohl kaum ergreifender nachzuvollziehen als an diesem Abend.



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