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Standing Ovations für Counter-Tenor Edson Cordeiro im Theater

Bei seinem Stimmvolumen werden Operndiven neidisch

Hameln. Der kleine große Sänger versteht es, sich selbst zu inszenieren. Edson Cordeiro stürmt auf die Bühne und legt los, ein Stimmwunder voll femininem Timbre, ganze vier Oktaven mächtig, einer, der dem Zauber der weiblichen Gesangsstimme restlos verfallen ist. Was in der Alten Musik gepflegt wurde, ist im Schlager, im kunstvollen Chanson und in populären Genres äußerst ungewöhnlich. Edson Cordeiro aber kann Sopran-Arien ebenso schmettern wie rocken oder grooven.

veröffentlicht am 04.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Der 1967 geborene Brasilianer wirbelt über die Bühne, voll Witz, Charme und Rhythmus, erntet nach einer Carmen-Arie erste Bravorufe und wechselt unvermittelt von Bizet zu Zarah Leanders „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“. Unnachahmlich trifft der Südamerikaner den rauchigen Tonfall der Leander, an dem sich schon viele Parodisten mit mäßigem Erfolg versucht haben.

Den väterlichen Wunsch, Fußballstar zu werden – Edson ist einer der vielen Vornamen des Weltfußballers Pelé – habe er unter Tränen abgelehnt, stattdessen nach einer Barbie verlangt, kokettiert Cordeiro mit seiner Veranlagung. Für Frauenstimmen habe er immer eine Schwäche gehabt, und er beherrscht sie alle. Edith Piafs „mon dieu“ mit Piaf-typischem Vibrato, die portugiesische Fadista Amalia Rodrigues, Aretha Franklin, vor allem aber Billie Holiday, deren Klangfarbe er mit einer kaum zu übertreffenden Genauigkeit trifft. Ein Stimmakrobat der Extraklasse, ein bunter Vogel, der von einer weiblichen Stimmblüte zur anderen schwirrt.

Bei Edson Cordeiros Stimmvolumen kann so manche Operndiva neidisch werden, singt er doch angesichts der strikten Gesangsabstinenz seines Klavierbegleiters Broder Kühne mal eben sein „Don Giovanni“-Duett allein, Tenor und Sopran zugleich.

Was Edson Cordeiro im Theater inszeniert, das schillert, glänzt und brilliert in unzähligen Tonfacetten, ein Stimm-Chamäleon, das von einem Augenblick zum anderen immer wieder neu überrascht und verblüfft.

Pianist und Arrangeur Broder Kühne, der aus Bad Pyrmont stammt, Cordeiros baumlanges Gegenstück, glänzt nicht nur als perfekter „sidekick“, sondern auch mit zahlreichen Klaviersoli, meisterte selbst kaum spielbare Piazzolla-Klänge mit bezaubernder Virtuosität.

Da störte ein minutenlanger technischer Black-out zwar; dem Zauber des Abends aber, der sich in Standing Ovations der rund 200 Besucher entlud, konnte das keinen Abbruch tun.

Singt das „Don Giovanni“-Duett mal eben alleine: Stimmwunder Edson Cordeiro.

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