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Ein phänomenaler Klavierabend mit Hélène Grimaud

Bei ihr ist alles Ausdruck

Hannover. Es ist doch tröstlich, wenn im alltäglichen Konzertbetrieb hin und wieder Überraschungen in Gestalt von Interpretationen auftauchen, die – man mag sie estimieren oder nicht – zumindest zu denken geben. Wer ein Konzert mit Hélène Grimaud besucht, kann und darf mit solchen Novitäten rechnen. Auch dann, wenn man es dem Programm mit Werken von Mozart, Alban Berg, Liszt und Bartók nicht auf den ersten Blick ansieht.

veröffentlicht am 15.11.2010 um 15:09 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Die a-moll Sonate KV 310 entstand im zeitlichen Zusammenhang mit der vom Vater diktierten Parisreise. Mozart wäre lieber in Mannheim bei den Webers geblieben, überdies konnte er in Paris trotz verzweifelter Arztsuche den Tod der Mutter nicht verhindern. Gründe für Trotz und Wut. Gleichwohl gibt Mozart dem Kopfsatz das Attribut „maestoso“ mit auf den Weg – ein Zwiespalt, bei dem sich die Französin kaum aufhält. Sie meißelt mit allen Wiederholungen der Satzform vor allem Wut und Verzweiflung in die Tasten. Alles ist Ausdruck.

Mozart also als Vorübung zu den in dieser Hinsicht fast überfließenden Sonaten von Berg und Liszt, beide in h-moll? Wohl kaum. Eher eine Grundhaltung. Während andere mit historischen Instrumenten so viel Werktreue wie möglich herzustellen bemüht sind, steht bei Grimaud die menschliche Emotion im Vordergrund. Und auch das ist Werktreue – ganz nach innen gerichtet, weil Empfindungen weder zeitliche noch geografische Grenzen kennen. Lediglich die Werkzeuge wechseln. Diese Wechsel beherrscht Hélène Grimaud mit instinktiver Sicherheit. In ihrer Interpretation wird der Weg von Mozart zu Berg und Liszt überraschend kurz. Auch Bartóks rumänische Volkstänze fügten sich als delikater Endpunkt des phänomenalen Klavierabends in dieses Spektrum, bevor Grimaud mit der Zugabe, Glucks „Plainte d’Orphèe“ in der Transkription von Wilhelm Kempff, den Bogen zurück zu Mozarts Klage schloss.



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