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Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Gemälde und Zeichnungen des Schweizer Nationalmalers

Bei Hodler ist nicht alles Heidi

BONN. Die Bundeskunsthalle feiert den Nationalmaler der Schweiz, Ferdinand Hodler. Auch in Deutschland war er ein Star – bis er zu Beginn des Ersten Weltkriegs durch eine einzige Unterschrift in Ungnade fiel.

veröffentlicht am 07.09.2017 um 16:53 Uhr

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Achtung Alpen-Freunde: Die Bundeskunsthalle zeigt jetzt den Schweizer Nationalmaler Ferdinand Hodler (1853 bis 1918). In der Bonner U-Bahn künden bereits gewaltige Gebirgszüge auf Plakaten davon, und in der riesigen Ausstellung mit rund 100 Gemälden und 40 Zeichnungen wird die Erwartungshaltung auf den ersten Blick voll befriedigt: umnebelte Gipfel, sonnenbeschienene Hänge und kristallklare Bergseen – alles wie aus dem Reiseprospekt.

Dann der Schock: Mitten zwischen all dem Alpenglühen liegt Hodlers Geliebte, gestorben an Krebs. Am Tag nach ihrem Tod hat er sie gemalt, gerade so als hätte er eine Landschaft vor sich, das ausgemergelte Gesicht verschattet und zerklüftet wie ein Felsmassiv. Nein, bei Hodler ist nicht alles Heidi.

Das musste auch die Schweizer Nationalbank feststellen, als sie ihn 1908 um die Gestaltung von Banknoten bat. Hodler wollte sowohl seine Ehefrau als auch seine Geliebte als Helvetia verewigen. Das passte wohl nicht so recht zur sauberen Alpenrepublik - jedenfalls wurde der Entwurf abgelehnt. Heraus kamen ein „Holzfäller“ für den 50-Franken-Schein und ein „Mäher“ für den 100-Franken-Schein.

„Die Empfindung“ von Ferdinand Hodler. Foto: dpa

Hodler hat eine Tellerwäscher-Karriere gemacht: Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, sein Vater war Schreiner. Eltern und Geschwister starben früh an Tuberkulose – ein Kuraufenthalt auf dem Zauberberg war für sie nicht drin. Der überlebende Ferdinand brachte es dann aus eigener Kraft zum Multimillionär. Die Großen des kleinen Landes ließen sich von ihm porträtieren, etwa Willy Russ, Inhaber der Schokoladenfabrik Suchard.

Auch in Deutschland war er lange ein Star. Die tanzenden Figurengruppen, die er dort für viel Geld verkaufte, könnte man sich heute am ehesten im Eurythmie-Saal einer Waldorfschule vorstellen. Sie sollten zeitlos sein, wirken aber heute gerade sehr zeitgebunden. Daneben erhielt Hodler aus dem Pickelhauben-Reich von Kaiser Wilhelm auch einige sehr repräsentative Großaufträge. So lieferte er für das palastartige Neue Rathaus in Hannover das Monumentalgemälde „Einmütigkeit“.

Noch bekannter ist „Der Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“, eine Auftragsarbeit für die Universität Jena. Hodler sollte zeigen, wie sich Jenaer Studenten 1813 freiwillig zum Militärdienst meldeten, um ihr Land von Napoleon zu befreien. Das gewaltige Bild, das immer noch in Jena hängt, wurde für die Ausstellung in einer großen Rolle nach Bonn transportiert.

Es zeigt zwei übereinander angeordnete Reihen von Personendarstellungen. Unten sieht man, wie sich die Studenten die Uniformen anziehen und ihre Pferde besteigen. Oben ist jede Individualität ausgelöscht: In Reih und Glied marschieren die Soldaten in den Krieg, voneinander nicht mehr unterscheidbar und zu einem großen Ganzen verschmolzen. Im Nachhinein erscheint die Darstellung wie eine Vorwegnahme des Ersten Weltkriegs.

Mit dessen Beginn fiel Hodler in Deutschland in Ungnade – durch eine einzige Unterschrift: Im September 1914 setzte er seinen Namen unter eine Protestnote gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch deutsche Truppen. Sein Wandbild in Jena wurde daraufhin verdeckt, er selbst aus allen deutschen Künstlervereinigungen ausgeschlossen. Noch vor Ende des Krieges starb er 65-jährig an einer Lungenkrankheit – mit Blick auf den Mont Blanc.

Die Ausstellung „Ferdinand Hodler – Maler der frühen Moderne“ läuft vom 8. September bis zum 28. Januar in der Bundeskunsthalle in Bonn. Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 21 Uhr, donnerstags bis sonntags 10 bis 19 Uhr. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro.



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