weather-image
23°

Geniale Überlegungen und heftige Seitenhiebe: Dr. Stratmanns Sprechstunde im WBZ

Bei diesem Arzt wird auf Rezept gelacht

Hameln. Jupp hat einen neuen Job: Er ist „Facility Manager“ im Universitätsklinikum Bottrop. Auf Deutsch: Er ist Hausmeister und übernimmt bei seinen Erstsemestern, den Zuschauern, die Uni-Einführung. Dabei weitet er seine Tätigkeit in einen Lehrauftrag als „Doc Hörsaal mit anderem beruflichen Migrationshintergrund“ aus.

veröffentlicht am 17.01.2011 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:41 Uhr

270_008_4440168_ku102_1801.jpg

Autor:

Cord Wilhelm Kiel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

So liest sich die Info zu „Kunstfehler“, dem neuen Soloprogramm Ludger Stratmanns. Wie immer stehen absurdeste Kranken- und Klatschgeschichten aus der Kleingartenanlage Bottrop-Batenbrock-Süd im Vordergrund, die Stratmanns Kunstfigur „Jupp“ in herrlichem Ruhrpott-Jargon erzählt. Der Kleingärtner und Hypochonder schwadroniert über seine Ehefrau Inge und deren genetische Defekte sowie über andere Bekannte: „Flamingo“ mit seinem Raucherbein, dem das gesunde Bein „schon mal präventiv“ amputiert wurde, oder über den eventsüchtigen Zwenn, „Heini Chwalczyk sein Schwager sein Sohn“.

Diese und viele weitere Geschichten sorgen für nicht enden wollende Lachsalven bei Dr. Stratmanns Auftritt im Weserberglandzentrum. Den absolviert der kabarettistische Mediziner in einem atemberaubend schnellen Tempo. Der Saal ist fast voll, das Publikum kann zwischen subtilem Humor und billiger Komik unterscheiden. Letztere verabscheut der sympathische Ruhrpottler nämlich zutiefst, was sich in spitzen Bemerkungen zu Comedians, „die vor 80 000 Gehirnamputierten im Berliner Olympiastadion auftreten“, oder in einer zehnminütigen Lesung „ein Monat Privatfernsehen mit öffentlich-rechtlichen Einsprengseln“ niederschlägt.

So lustig die Ausführungen sind, ein ernsthafter Hintergrund steckt oft dahinter. Und obwohl seine Seitenhiebe mitunter heftig ausfallen – über Politiker („Michael Glos ist ein mutierter Maiskolben mit Deutscher Eiche gekreuzt“, „Verheugen gehört in den Brunnen vor dem Tore, wo die Wanderung der hässlichen Kröten beginnt“) – gibt es bei Stratmann keine bittere Pille. Denn irgendwie hat er ja recht, wenn er vom heutigen „Vorsorgewahnsinn“ spricht. Selbst zotige Passagen sind ungemein sympathisch. Genial sind seine Überlegungen zu Zahnspangen und Piercings – mit beiden habe sich nämlich der Stahlkonzern Thyssen-Krupp grundsaniert!

Ludger Stratmann hat neben seinen Auftritten eine Fernsehsendung, ein Theater, eine Gaststätte und eine Theateragentur. Wie schafft man so ein Pensum? Die Antwort muss in der Vielseitigkeit des 62-Jährigen liegen, der erst eine Sparkassenlehre absolvierte und dann Humanmedizin studierte. Des Weiteren war Stratmann auch Leistungssportler. Es ist gut, dass Stratmann heute noch fachlich „voll auf der Höhe“ ist: Kurz vor der Pause erleidet eine Zuschauerin einen Schwächeanfall und der 62-Jährige greift sofort helfend ein. Gott sei Dank, denn bis Sanitäter eintreffen, vergeht (zu) viel Zeit, und dass es im WBZ offenbar weder eine Trage noch ein „schnelles Glas Wasser“ gibt, ist bedenklich. Ebenso wie die Tatsache, dass erst nach diesem Vorfall die Türen geöffnet und die trocken-stickige Halle durchgelüftet wird.

Ein Doc, bei dem das Herz am rechten Fleck sitzt: Ludger Stratmann ist Kabarettist und hat Humanmedizin studiert. Foto: cowi



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?