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Junges Ensemble mit „Das besondere Leben der Hilletje Jans“ im Theater

Begabte Kids in Moll

HAMELN. Eine Räuberpistole – mehr noch: eine Seeräuberpistole. Eine Geschichte, in der es drunter und drüber geht. Gehen könnte, weil Dramatik und Posse sich die Waage halten und sich die Welt als veritables Irrenhaus darstellt. Pralles Leben also. Und auf der Bühne des Hamelner Theaters: eher dezentes Kammerspiel der leisen Töne. Was so schrill sein könnte – pure Lebenslust und Lust am Spiel und Verkleiden – dümpelt im immer wieder chorisch wiederholten „Wenn du noch jung bist an Jahren, fällt dir das Leben oft schwer“. Das gefällt Jugendlichen manchmal, auch wenn sie sich, realiter eher an Feten und Discos halten.

veröffentlicht am 13.06.2016 um 08:35 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:28 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Die Regie mit Alena Nötzel und Melissa Gray hält sich lieber an das inoffizielle Stichwort der Inszenierung von „Das besondere Leben der Hilletje Jans“ nach Ad de Bont am Freitagabend: und das heißt „schwer“. Für eine gute Stunde: Leben in Moll. Und das lastet.

Dabei steht doch das „Junge Ensemble Theater Hameln“ auf der Bühne, alles begabte Kids, die hier doch mal mit Spielfreude so richtig auf die sprichwörtliche Kacke hauen könnten. Voll Witz und Ironie und einem Feuerwerk an Einfällen. Auch verrückten. Das würde das Stück locker hergeben bei diesem kuriosen Lebensweg, bei dem aus dem Waisenmädchen Hilletje Jans – der man einen Mord unterjubelt, für den sie sieben Jahre im Spinnhaus absitzen muss – Jan Hille wird, der auf einem Schiff anheuert.

Gekonnte Auftritte in der Doppelrolle

Weil der Kapitän unterwegs stirbt, übernimmt Jan seinen Posten. Zur recht, denn als sie von einem Piratenschiff angegriffen werden, behauptet Jan, sie hätten die Pest an Bord. Die Herrschaften mit der Totenkopfflagge ziehen Leine. Dafür wird Hille berühmt. Und ein Mädchen will ihn unbedingt heiraten. Busen trifft auf Busen und der Prinz von Oranje spielt Deus ex Machina. Eine wilde Geschichte, die wieder in Moll mündet. Zwei Conférenciers, Hannah Faehndrich und Sara Pujiula Buhl, als Erzählerinnen – auch wenn sie gut aufeinander eingespielt sind – hätten ganz andere Möglichkeiten. Vor allem, wenn mit Björn Oberbrodhage noch jemand neben der Buhl am Klavier zur Verfügung steht.

Jennifer Nicole Dannhoff in der Doppelrolle Hilletje und Jan und wunderschön, wenn sie sich von der einen in den anderen verwandelt. Ein gekonnter Auftritt von Jessica Sidyk als Prinz und auch als Tante Therèse. Und mit von der Partie Falk Schöps, Luisa Mölders und Sophie Graf – und alle immer wieder in anderen, ganz unterschiedlichen Rollen.

Kammerspiel im Largo-Stil. Das allerdings perfekt durchgehalten. Von des Gedankens Blässe etwas sehr angekränkelt. Der Spaß, die Lust am Spiel – auch an der Übertreibung, die Fantasie zur Phantastik treibt – das alles ist diesmal etwas zu kurz gekommen. Nur der Applaus nicht, der dennoch verdient war. Und Respekt für alle, die im Scheinwerferlicht an der Rampe stehen.



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