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„arche“ eröffnet Saison mit Bilderwelten von Paul Kunofski und Marion Lidolt

Befremdliches im Allzuvertrauten

HAMELN. Vermutlich könnte man stundenlang vor diesen Bildern stehen – und immer wieder Neues entdecken. Und das Entdeckte immer wieder neu sehen. Überraschend anders. Ein eigener Kosmos aus vertrauten Zeichen, immer wieder raffiniert verwandelt, neu zusammengesetzt. Vertraute Fremde. Irritierend, weil die Chiffren auch in die Irre führen.

veröffentlicht am 16.01.2017 um 16:54 Uhr
aktualisiert am 27.01.2017 um 11:47 Uhr

Geheimnisvolle Bilderwelten von Paul Kunofski und Marion Lidolt können noch bis Sonntag, 12. Februar, in der „arche“-Galerie entdeckt werden. Foto: dana
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Autor

Richard Peter Reporter
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Ein Chaos des Eindrücklichen – auch die Vielzahl der Techniken und unterschiedlichste Materialien, die hier virtuos zum Einsatz kommen – und wie die Vorsitzende der Künstlergruppe, Britta Samsen-Huch, in ihrer Begrüßung formulierte: „In ihrem kreativen Kosmos verwickelt sich das Denken mit dem Leben – verknüpfen sich die traditionellen handwerklichen Techniken gekonnt mit inhaltlichen Andeutungen. Verstörende Intimität und banale Alltagsgeschichten lassen einen Blick zu ins Kleinste, wie ins mehrfach Vergrößerte. Befremdliches im Allzuvertrauten.“

Es sind geheimnisvolle Bilderwelten, die vor allem eines sind: Verführung. Und vermutlich verstellt das allzu Geheimnisvolle manchmal auch den Blick auf Bilder, die gar nicht so geheimnisvoll sein wollen. Vielleicht nur fantasievoll – mit einer Art kindlicher Fantasie, die alles zulässt, nebeneinander, übereinander und durcheinander. Weil so unendlich viel untergebracht werden will, wenn die Fantasie anfängt sich zu überschlagen, ein Eigenleben führt.

Prof. Wulf Schomer, ein blendender Rhetor und Formulierer, sieht im Werk von Paul Kunofski – zusammen mit Marion Lidolt seit Feitagabend in der „arche“-Galerie – „visuelles Marerial aus völlig verschiedenen Bereichen von Welt und Realität, aus Vergangenheit und Jetztzeit. Kunofski“, so Schomer, „bearbeitet digital und montiert diese Fragmente zu neuen, ungewöhnlichen Bildkonkretionen in Radierungen und Pigmentdrucken.“ Sozusagen die Basis für die Bilderwelt des Künstlers, die er im Einzelnen hinterfragt, sich selbst fragt und für das Publkum und immer wieder „warum?“.

„Unser Sehen will erkennen“, so Schomer, und sieht uns als „Augentiere“ – und natürlich beißt er sich an der Serie „Seekrank“ fest, ein Schomer vertrautes Thema. Und bekennt: „Ich nehme bewusst inszenierte Absurditäten wahr, Irreales aus Realitäten abgeleitet. Phantastisches.“

„Histoire Naturelle“ heißt es bei Marion Lidolt, Professorin für experimentelles Gestalten in Hildesheim mit ungewöhnlichen Mischtechniken – darunter gestickte Bilder aus Wolle und Filz. Und provozierend die Frage: „Was ist schön? Irritierend und gleichermaßen anziehend die Frauen-Porträts – wie das Bild einer Frau, das uns aus dem Kelch einer Kapernblüte anblickt. Gerundete Formen und Pixel-Schichtungen, die tatsächlich gestickt sind. Und „gesticktes Bild“, wie Schomer formuliert, als „Strickmuster allen Lebens“.

Vieldeutigkeiten – so viele, wie sie hier in dieser außergewöhnlichen „arche“-Schau gezeigt werden, erlebt man nur selten. Und so viel Gelegenheiten, selbst zu fantasieren.



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