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London Philharmonic Orchestra im Kuppelsaal

Beethovens Eroica im XXL-Format

Hannover. Ein Programm, das mit Brahms und Beethoven zwei der drei großen Bs vereint und mit drei berühmten Interpretennamen wie Leif Ove Andsnes, Vladimir Jurowski und London Philharmonic Orchestra prunkt, verspricht großes Hörerlebnis. Tatsächlich wurde es ein langer und interessanter Abend, der mit dem zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms begann. In ihm nimmt das Orchester im Verhältnis zum Solisten die Rolle eines ebenbürtigen Partners ein, und dass Vladimir Jurowski am Pult des L.P.O. diese Rolle selbstbewusst vertreten würde, war schon nach der knapp siebzig Takte dauernden Orchestereinleitung klar. Umsichtig im Detail und mit temperamentvoll umgesetztem Gesamtkonzept steuerte Jurowski den Ablauf, dem der berühmte norwegische Pianist folgte. Das Andante mit dem von der Solocellistin dezent gefühlvoll gespielten Solo erklang in überzeugender Ruhe und Geschlossenheit. In den Ecksätzen hingegen wirkte Andsnes ungewohnt nervös. Eine Unruhe, von der bei der Zugabe, Schumanns Romanze Fis-Dur opus 28,2, nichts mehr zu spüren war: herzlicher Beifall!

veröffentlicht am 08.11.2010 um 17:15 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Mahlers Bearbeitung von Beethovens Neunter wurde nach längerer Pause vor neun Jahren von Paavo Järvi dem Vergessen entrissen. Nun konnten Hannovers Musikfreunde die sagenumwobene „Eroica“ in Mahlers Fassung hören – was optisch mit einem zu doppelter Größe aufgeblähten Orchester zu Buche schlug. Sechs Hörner, je vier Holz- und Blechbläser, dazu ein äquivalent starker Streicherchor mit zehn Kontrabässen. Für den Hörer erwuchs daraus die Anforderung, sich von alten Hörgewohnheiten zu trennen und auf ein ganz neues Klangbild einzustellen, nämlich auf einen der klassischen Maße beraubten Beethoven. Auf eine Eroica im XXL-Format sozusagen.

Zugegeben, da klingt manches satter und imponierender als im Original. Aber Mahlers Fassung ändert weit mehr als nur die Lautstärke, sondern wegen der hinzugefügten Spielanweisungen auch die strikte Textur des Originals – was im berühmten Trauermarsch besonders auffällig ist.

Vladimir Jurowski, seit drei Jahren Chef am Pult des London Philharmonic Orchestra, setzte alle Mittel ein, die einem Stardirigenten zur Verfügung stehen – und wer den seit 1990 in Deutschland lebenden Russen mit der Giacometti-Figur bereits kennt, weiß, dass das nicht die schlechtesten sind. Mit großer Sorgfalt und Überzeugungskraft formte er den Orchesterklang.

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