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Blut, Schweiß und Tränen: Kiss spielen Abschiedstournee auf der Expo-Plaza

Außerirdisch gut: KISS rocken Hannover

HANNOVER. Eine weitere Legende ist auf Abschiedstournee: KISS, die maskierten amerikanischen Hardrocker, machen auf ihrer „End of the Road“-Tour auch auf der hannoverschen Expo-Plaza Station. In Hannover wollten rund 12.000 Fans die Abschiedstournee der vier Kultrocker sehen.

veröffentlicht am 06.06.2019 um 15:54 Uhr

KISS 3

Von Cord Wilhelm Kiel

Vorletzte Woche verabschiedete sich Elton John von seinen Fans, nächstes Jahr Ozzy Osbourne, auch bei The Who und Deep Purple ist bald Schluss – ja, wer soll denn in Zukunft die großen Open Airs füllen, wenn es keinen vergleichbaren Nachwuchs gibt? Zumindest wird es kaum noch Bands geben, die so einflussreich und innovativ sein dürften wie die genannten Acts.

Bei KISS ist das Innovative weniger die Musik, sondern das dahinterstehende Konzept: Vier Musiker verschwinden hinter den Masken von „Figuren“ oder „Charakteren“, die irgendwo zwischen Science-Fiction, Comicstrip, Außerirdischen und japanischem Kabuki-Theater angesiedelt sind. Viele weitere „Konzept“-Bands folgten. Der Einfluss der Band ist immens, zumal es weltweit über 5.000 lizenzierte KISS-Produkte gibt – von Cafés über Flipperautomaten bis zum Sarg!

In Hannover wollten rund 12.000 Fans die Abschiedstournee der vier Bühnenfiguren – The Demon (Gene Simmons, Gesang und Bass), Starchild (Paul Stanley, Gesang und Gitarre), Spaceman (legendär Ace Frehley; heute Tommy Thayer, Leadgitarre und Gesang) sowie Catman (früher Peter Criss, heute Eric Singer, Schlagzeug, Klavier und Gesang) – sehen.

Laut und geschminkt: Kiss rocken die Expo-Plaza

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Quelle: Cord Wilhelm Kiel


Das ist eine stattliche Zahl, allerdings bleibt doch für die Anwesenden viel Raum auf dem weitläufigen Areal. Waren KISS in den letzten Jahren vielleicht zu oft auf Tour (darunter zumindest – vor bereits längerer Zeit – bereits auf einer „Farewell“-Tournee)? Waren die Ticketpreise von knapp 100 Euro (Stehplatz) oder sogar deutlich darüber (front of stage) zu hoch? Oder hielten die Gerüchte, der stimmlich angeschlagene Paul Stanley würde seine Vocals vom Band einspielen lassen, einige Rock´n´Roller ab? In Hannover ist sein Gesang gut, und es wirkt nicht so, als käme dieser vom Band. Gene Simmons ist ohnehin immer besser bei Stimme, je älter er wird – so what?

Die Zuschauer sind vom Alter her überraschend gemischt, vom Opa bis zu Kleinkindern (!) reicht das Spektrum. Auch Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions lassen sich das Spektakel nicht entgehen. Denn live sind KISS immer noch eine Macht: Die Bühne ist bis ins kleinste Detail designt, es explodieren Pyros, Flammenfontänen zischen, die Lichtregie ist perfekt.

Beim Opener – wie fast immer „Detroit Rock City“ – schweben die Musiker ein. Multi-Unternehmer Gene Simmons spuckt Feuer, Tommy Thayer schießt aus seiner Gitarre Ufos ab, immer wieder kracht, blitzt und raucht es. Beeindruckend! Für Fans nichts Neues, aber immer wieder sehenswert. Es stört nicht, dass viele Showelemente schon seit langem Teil der Inszenierung sind, es also eher darauf ankommt, wann Paul Stanley zu „Love Gun“ ins Publikum segelt oder Gene Simmons zu „God of Thunder“ Blut spuckt als ob. Etwas Neues haben sich KISS aber auch einfallen lassen: Bei „Beth“ sitzt Eric Singer am Konzertflügel und intoniert dieses zarteste Lied der gesamten Bandkarriere fantastisch gefühlvoll.

Wenn wir allerdings bei der Songauswahl sind, so ist diese der einzige Kritikpunkt an der Show: Wieder einmal stehen die Hits der Siebziger zu sehr im Mittelpunkt: 13 von 20 Songs sind aus der „klassischen“ Phase der Band. Darunter sind viele Klassiker, na klar – auch der Überhit „I Was Made For Loving You“ natürlich. Aber eigentlich können Kiss doch aus einem riesigen Pool großartiger Songs schöpfen.

Warum muss es dann wieder „Let Me Go, Rock ´n Roll“ oder „Calling Dr. Love“ heißen, wenn zum Beispiel „Tears Are Falling“, „Unholy“ oder „Goin Blind“ fehlen? Immerhin: Mit „Say Yeah“ (2009), „Psycho Circus“ (1998) oder „Crazy Crazy Nights“ (1987) werden zumindest einige Schätze der eindrucksvollen Bandgeschichte noch einmal gehoben. Am Ende steht wie immer das Motto der Band: Eine Riesen-Party zu „Rock´n´Roll All Nite“, mit Konfettiregen, Feuerwerk und Lasershow. Ganz großes Kino - eben außerirdisch gut. KISS präsentieren sich in viel besserer Form als auf den Tourneen der letzten Jahre. End of the road? So kann es doch noch weitergehen!



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