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Ausstellung zeigt das Origami-Prinzip in der Kunst

„Ausbruch aus der Fläche“

HERFORD. Die Natur steckt voller komplizierter Faltungen, waghalsiger Biegungen und überraschender Knautschungen. In der Ausstellung „Ausbruch aus der Fläche“ (vom 24. Februar bis 3. Juni) im Marta Herford spüren internationale Künstler diesen faszinierenden Strukturen und ihren Einflüssen auf die menschliche Wahrnehmung nach.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 14:40 Uhr

Thomas & Renée Rapedius, O. 048 (4 Versionen), 2009 –14 Papier, Sprühfarbe, verschiedene Maße, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

In Anlehnung an die komplexen Prinzipien des Origamis und ihrer aktuellen Bedeutung in Wissenschaft und Technik beschäftigen sie sich auf medial vielfältige Weise mit den unendlichen Möglichkeiten der Verformung von Flächen. Ob gefaltet, gekrümmt, gewölbt, gezeichnet oder gemalt erzeugen die Werke nicht nur ihren eigenen Raum: Auch Komprimierung und Reduktion bis zu unkontrollierbarem Erschlaffen werden thematisiert, das Spiel von Licht und Schatten, von Sicht- und Unsichtbarkeit.

Schon vor der Erfindung des Papiers (zirka 100 vor Christus in China) wurden Stoffe und andere Materialien gefaltet. Mittlerweile dient die traditionelle japanische Kulturtechnik des Origamis aber auch wissenschaftlichen Erkenntnissen: Durch das mathematische Verständnis von Faltprinzipien entwickeln Forscher neue Lösungen für Technik, Medizin oder Bionik. Die internationalen Künstler der Marta-Ausstellung nehmen das Origami-Prinzip nun als Ausgangspunkt, um diese neuen Perspektiven auf Oberflächeneffizienz, kontrollierten Knautschungen und Entblätterungen mit ihren eigenen Mitteln zu durchdringen.

Geometrie, Oberfläche, Farbe und Licht bestimmen die Skulpturen von Rana Begum (*1977, Bangladesch), eine der ausstellenden Künstlerinnen. Durch Faltungen und Kontraste erzeugen sie eine fast flatterhafte Bewegung im Raum, die höchst anregend mit den fotografischen Faltungen von Shirana Shahbazi (*1974, Teheran) auf einer geradezu explodierenden Wand kontrastieren.

Eigens für das Marta Herford entwarf Philippe Decrauzat (*1974, Schweiz) die zweifarbige Wandmalerei „On Cover“ (2018), die sich aus einem kleinteiligen Raster dichter Farbstreifen in Cyan und Magenta zusammensetzt.

Wie ein überdimensionaler Lindwurm schiebt sich die gigantische Luftballonskulptur von Hans Hemmert (*1960, Deutschland) durch einen Zugang der Galerieräume.

Inspiriert durch das historische „Café Samt & Seide“ (1927), das von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich für einen Berliner Messestand der deutschen Seidenwebereien entworfen wurde, entwickelte Erika Hock (*1980, Kirgisistan) den „Salon Tactile“ (2018), der als Erfahrungs-, Informations- und Arbeitsort dient. Geschwungene, paraventähnliche Fadenvorhänge schaffen transparente, gleichzeitig geschlossene Zonen.

Mit dem Instrument der optischen Täuschung spielt Navid Nuur (*1976, Teheran) in seinem Videoraum „Transfigurations“ (2011/12): Ähnlich wie bei einem magischen Trick versetzen die Hände des Künstlers einen schwarzen Bogen Papier in Bewegung.

Seine abstrakten Skulpturen setzt Michail Pirgelis (*1976, Deutschland ) aus ausrangierten Flugzeugteilen zusammen. Auch wenn die traditionellen Origami-Techniken im modernen Flugzeugbau perfekte Vorbilder bieten, um mit leichten Materialien extreme Lastenträger zu konstruieren, muten die Werke von Pirgelis mit den freigelegten Spuren unter dem Lack fast malerisch an.red



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