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Jens Bisky stellt sein Buch über Friedrich den Großen vor

Aus dem Labor der Moderne

Hameln. Fast punktgenau zum Jubiläum – Friedrich II. von Preußen wäre am 24. Januar 300 Jahre alt geworden – präsentierte Jens Bisky sein Preußenbuch in Hameln. Auf Einladung der Bibliotheksgesellschaft Hameln konnte er am Sonntag vor vollem Hause das Bild, sein Bild des Alten Fritzen, entfalten. Als ausgewiesener Preußenkenner gelang es dem Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung, einen differenzierenden Einblick in Gestalt, Wirken und Nachwirken des Preußenkönigs zu geben und dabei Zeitzeugen und Zeitumstände lebendig werden zu lassen.

veröffentlicht am 30.01.2012 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Bernd Bruns
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Dass Friedrich der Große nicht auf eine Formel zu bringen ist, dürfte einleuchten. Dass man zwischen der Person des Königs und dem späteren Mythos zu unterscheiden habe, ebenfalls. Dass jede Epoche sich ihr eigenes Bild entwirft, macht die Chose nicht einfacher. Auf jeden Fall könne man heute unbefangener und unideologischer mit Friedrich dem Großen umgehen. Aber es ist sinnvoll, sich angesichts dieser Lebensleistung seiner eigenen Geschichte zu vergewissern.

Was ist das Einzigartige, vielleicht das „Große“ an dieser Gestalt? Für Bisky sind es vor allem das Unkonventionelle und die damalige Modernität des Königs. Er erfand sich gewissermaßen selbst, seine Rolle, seine Regierungsform: ein Monarch neuen Typs. Er wollte Autor und Souverän, Diener und König, Künstler und Krieger zugleich sein. Er stellte sich – und dies im Sinne der Aufklärung – die Fragen selbst und diktierte sich sein Drehbuch, schuf sein eigenes System. Er hat viel Neues erdacht und unternommen und dabei auf Tradition, Konvention und Zeremoniell keine Rücksicht genommen. Er nahm sich diese Freiheiten.

Als Kronprinz hatte er unter dem Jähzorn des Vaters zu leiden. Als Kriegsherr warf er sich ins Schlachtengetümmel. Als Alter Fritz vereinsamte er. Drei Eigenschaften des Königs hob Jens Bisky hervor: seine Ruhmbegierde – er hatte eine hohe Meinung zu seiner eigenen Person, seine Liebe zu Krieg und Soldatentum – er ließ sich sogar von den einfachen Soldaten duzen, seine Liebe zum Geld – sein Geiz war sprichwörtlich.

Fragt man nach seiner politischen Bedeutung oder Bewertung vom heutigen Standpunkt aus, sollte man sich von zwei Traditionssträngen verabschieden. Die Frage nach der politischen Einheit Deutschlands stellte sich für Friedrich II. nicht. Er dachte in europäischen Zusammenhängen. Zum anderen führe es nicht weiter, so Bisky, das Idealbild, das Friedrich von einem aufgeklärten Herrscher entworfen hat, mit der Wirklichkeit zu vergleichen.

Seine Person sowie sein Leben bieten einen abwechslungsreichen Stoff. Hochbegabt und vielseitig, majestätisch im Auftreten und schauspielerisch talentiert, dem weiblichen Geschlecht genauso abgeneigt wie seinen Hunden zugeneigt, gleichgültig gegen Mode und Reinlichkeit, kunstbeflissen und machthungrig zugleich, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.

Und sein Preußen? „Ein Labor der Moderne“ nennt es Bisky, ein Flickenteppich, den der König gewaltsam arrondiert und in den Kreis der europäischen Großmächte führt, aber ein Land, das bald nach seinem Tode reformbedürftig war. „Unmittelbar fortgewirkt hat aus der Zeit des großen Königs wenig“, so Bisky.

Feuilleton-Redaktion der Süddeutschen Zeitung und Buchautor: Jens Bisky zu Gast in der Pfortmühle.

Foto: Wal



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