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Sönke Wortmanns Komödie „Der Vorname“ legt die Befindlichkeit deutscher Akademiker bloß

Aufs Korn genommen

BERLIN. „Der Vorname“ inszeniert Sönke Wortmann als bissigen Kinospaß. Mit Stars wie den Münchhausen-Preisträger Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz und Caroline Peters nimmt er Befindlichkeiten der deutschen Mittelschicht aufs Korn.

veröffentlicht am 11.10.2018 um 16:28 Uhr

Auch der diesjährige Münchhausen-Preisträger Christoph Maria Herbst brilliert in Sönke Wortmanns Komödie „Der Vorname“. Foto: dpa

Autor:

Ulrike Cordes

Wortwitzige Boulevardkomödien über die Abgründe scheinbar kultivierter Mittelschichts-Menschen begeistern das Publikum im Theater und im Kino schon seit längerer Zeit. Als starke Vertreterin des Genres gilt die Pariser Dramatikerin Yasmina Reza. Ihre Werke wie „Kunst“ und „Der Gott des Gemetzels“, letzteres 2011 von Regielegende Roman Polanski verfilmt, füllen die Bühnenhäuser weltweit. Einen Clou landete aber auch das Autorengespann Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière mit seiner 2010 uraufgeführten Komödie „Der Vorname“, die nach einem ähnlichen Muster funktioniert.

Zwei Jahre später wurde das Stück von seinen beiden Urhebern selbst für die Leinwand inszeniert und läuft seit 2011 auf deutschsprachigen Bühnen ebenfalls mit viel Erfolg. Nun hat sich die Kinoregiegröße Sönke Wortmann („Der bewegte Mann“, „Das Wunder von Bern“) des doppelbödigen Stoffs angenommen.

Mit Stars wie Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters und Justus von Dohnányi legt der 59-Jährige einen köstlich boshaften Spaß vor, der die Befindlichkeiten hier nun deutscher Akademiker und wohlsituierter Bürger mittleren Alters präzise aufs Korn nimmt – das facettenfreudig und ironisch aufspielende Ensemble hat dabei entscheidenden Anteil am Gelingen des Projekts. Als kiffende Hippie-Mutter, der viel am Kontakt zu einem jüdischen Ehepaar liegt, trägt zudem in einer kleinen Extra-Rolle Iris Berben ihren Teil dazu bei.

Sehenswert ist bereits der Rahmen für das der Geschichte zugrunde liegende Abendessen, zu dem der linksliberale Germanistikprofessor Stephan (Herbst, der nur recht jung für diesen Typus wirkt) und seine Frau Elisabeth, eine Lehrerin mit Doppelnachnamen (Peters), einladen: Spürbar hingebungsvoll hat die für die Ausstattung verantwortliche Jutta Freyer im ehemaligen westdeutschen Regierungssitz Bonn ein Eigenheim gestylt, zwischen dessen schlichten Holzmöbeln, dem Flügel und vielen Bücherregalen man einen mainstreamigen Post-68er-Geist förmlich wabern wähnt. Höhlenartig gegenüber der Außenwelt abgeschlossen und ein wenig gespenstisch beleuchtet, spiegelt das Haus die selbstgerechte Mentalität seiner Bewohner.

Die kriegt jedoch schnell erste Risse. Nämlich als Thomas (Fitz), Bruder von Elisabeth und großmäuliger Immobilienmakler, den Anwesenden, zu denen auch der empfindsame Künstler René (von Dohnányi) gehört, erklärt, wie sein Sohn heißen soll, den er mit seiner Freundin Anna (Janina Uhse) erwartet: etwa Friedrich, Luca oder gar (ha, ha) Donald? Nein – Adolf soll es sein.

Nicht zuletzt der pingelige Akademiker Stephan ist darüber außer sich: Der Name dieses Diktators, Antisemiten und Massenmörders ginge gar nicht, der sei sozusagen „verbrannt“. Worauf Thomas seinem Schwager vorwirft, er spreche Hitler geradezu „heilig“ mit seiner ewigen Bezugnahme auf ihn. „Hitler ist ein Popstar, den Leute wie du am Leben erhalten“, blafft er den linkslastigen Bildungsbürger an. Und entdeckt tatsächlich in dessen Regal die kommentierte Neuausgabe von „Mein Kampf“.

All das mitanzusehen ist – obwohl die Methode und auch die Geschichte durchaus nicht neu sind – temporeicher Genuss. Zugleich ist es ein Einblick mit Identifikationsangebot in die Typologie unserer Gegenwart.



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