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Bozic und das Staatsorchester

Aufregende Dissonanzen einer Sabbatnacht

Hannover. Wer am Montag das geradezu entfesselt spielende Hannoversche Staatsorchester mit der Symphonie fantastique von Berlioz erlebte, wird die Ablehnung des Werks durch Harriet Smith-son, der das leidenschaftliche Klanggemälde doch einzig galt, nun vielleicht besser verstehen. Denn unter der im Detail unnachgiebig präzise akzentuierenden Leitung von Wolfgang Bozic gelang eine Aufführung, wie sie dramatischer und besser kaum sein kann. Sei es die im Kopfsatz so klar formulierte Orientierungslosigkeit bei Suche nach dem Ziel der Träume – seien es die scharfen Dissonanzen der Sabbatnacht mit den das Thema in Punktierungen keckernden Klarinetten (brillant gespielt!): Der 27-jährige Berlioz war seiner Zeit einfach ein gutes Stück zu viel voraus.

veröffentlicht am 19.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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So wenig erfolgreich die Pariser Uraufführung war, so glänzend war nun der Erfolg dieser Hannoverschen Wiedergabe. Und das nicht zuletzt auch wegen der herausragenden Soli von Flöte, Oboe und Englischhorn sowie einer hervorragenden Schlagzeugercrew.

Bekanntlich war Berlioz von Beethoven fasziniert. Was also liegt näher, als beide in einem Programm zu vereinen. Die Wahl fiel auf Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-moll, das formbildend auf alle nachfolgenden Werke dieser Spezies wirkte. Nach der von Bozic mit Verve und dynamischer Feinarbeit dirigierten Einleitung setzte Alfredo Perl zu einer schnörkellos schlichten Interpretation an. Sie leuchtete sowohl die Ecken und Kanten, aber auch den Humor der Ecksätze aus, während das im Tempo sehr breit angelegte Largo vor allem die Anschlagskünste des Chilenen in den Vordergrund rückte. Auf den begeisterten Applaus antwortete er mit dem Intermezzo Nr. 1 Es-Dur von Johannes Brahms.

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