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Peter Fox gastiert mit seinem Orchestersound ohne Orchester in der ausverkauften AWD-Hall

Aufgestyltes Affentheater mit Donnerbassknall

Hannover. Als der Fan drei Meter vor der Bühne um 19.34 Uhr ein dreckig-lautes „Rock’n’Roll“ durch die AWD-Hall grölt, weiß er noch nicht, was zwei Stunden später auf ihn zukommen soll: Rock’n’Roll. Ohne Sarkasmus. Ohne Rockband. Mit Peter Fox. Und mit einem „Kashmir“-Cover von Led Zeppelin, aus dem der rothaarige Echo-Abräumer mit seiner bestens aufgelegten Band Cold Steel mehr rausholt als jede Oldie-Coverband.

veröffentlicht am 04.03.2009 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Dabei hat Rock wenig zu tun mit der Musik, durch die Peter Fox zurzeit in aller Ohren ist. Als Frontmann der Berliner Band Seeed („Dickes B“) hat er in den vergangenen zehn Jahren ein solides Fundament aus Dancehall-Reggae mit deutschsprachigem Text gegossen, auf das er nun mit seinen eigenen Titeln überaus erfolgreich aufbaut. Das sind mal asiatisch angehauchte Balladen („Haus am See“), drahtige Tanzflächenstampfer („Alles neu“) und mal zart besaitete Schmusenummern fürs Herz („Ich Steine, Du Steine“). Dass sich Fox als „Abrissbirne der deutschen Szene“ bezeichnet, ist feinste Ironie: So viel weiterentwickelt wie er haben wenige, wenn er auch mit seinem Donnerbass eines stets vernachlässigt: die Melodien.

Ähnlich durchgestylt wie Fox’ Nummer-Eins-Album „Stadtaffe“ ist die Show: In Corporate-Identity-Kostümen tanzt ein Dutzend Musiker über die Bühne. Ein einarmig spielender Trompeter hat beinahe so viel Unterhaltungswert wie die vier Herren mit umgeschnallten Trommeln, die mit Drumstick-Performances dekorieren, was gar nicht dekorierenswert wäre.

Es ist ein schweißtreibendes Konzert voller Abwechslung, bei dem neben dem langweiligen Lalala-Soul von Oceana im Vorprogramm eines stört: dass die Streicherklänge nur aus der Konserve kommen. Zwischen minutenlangen Percussionsstücken, charttauglich wummernden Beats oder dem großen Auftritt der kleinen Backgroundsängerin scheint das den 5000 Fans in der Halle egal zu sein. Sie feiern ihren Peter vom ersten Ton an. Und als er nach 12 Titeln leicht bedröppelt feststellt: „Meine Songs haben wir doch schon alle gespielt“, gibt’s ja noch das Repertoire von Seeed, Justin Timberlake und eben Led Zeppelin. Ein Glück aber auch.

Peter Fox kommt als Top-Act am Samstag, 6. Juni, zur N-Joy Starshow auf Hannovers Expo-Plaza.

Prima mit Primat: Peter Fox hat sich mit seinem Soloalbum eine Nische erspielt, zu der eine ausverkaufte Halle tanzt.

Foto: are

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