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Auf Wanderschaft durchs Theater

Hameln. Ein Geburtstaggeschenk der besonderen Art, das am Samstagabend mit "Nahaufnahme Theater" mit dem Jungen Ensemble zum Abschluss des 60. Jubiläums Premiere hatte. Ein begehbares Theaterstück und acht kleine Gruppen auf Wanderschaft geschickt zu acht Stationen, an denen kleine Szenen gezeigt wurden. Garderobiere, Techniker, Putzfrauen, alles gute Geister des Theaters, die sonst vor allem im Verborgenen wirken. Zuletzt wurde das Junge Ensemble mit Anastasia Eckert, die das Stück inszeniert hat, begeistert gefeiert.

veröffentlicht am 23.06.2013 um 14:46 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:21 Uhr

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Hameln. Reizvolles Finale und eine „Nahaufnahme“ zum Saisonende und 60. Theater-Geburtstag mit dem Jungen Ensemble und im eigenen theatralischen Saft sanft geschmurgelt. Ein begehbares Theaterstück und das Publikum in acht kleinen Gruppen auf Wanderschaft. Treppe rauf unters Dach zu einem kleinen Gang zur Saaldecke und wieder runter bis in den Untergrund mit Orchestergraben. Acht Stationen – eindrücklich eine junge Geigerin (Chiara Iasenzaniro) im schmalen Gang mit Violine, begleitet von einem zugespielten Klavier. Dazu eine kleine verbale Eloge an das mit „Liebe erbaute Haus und seine Steine“.
 Garderobenszene – Alltag einer der vielen, sonst unsichtbaren hilfreichen Geister hinter der Bühne. Eine Garderobiere (Maike Bernhardt) beim Aufbügeln von Kostümteilen, Frisieren der Perücke, auch wenn das sonst der Job der „Maske“ ist. Aber schon hier ziemlich eindeutig: eine begabte Truppe, die in kleinen Szenen Theateralltag lebendig werden lässt.  Gasttechnik steht an der Tür und Lukas Levin Schwekendiek als Fred – ein junger Mann mit Berührungsängsten „Ich kann doch nicht so mit den Frauen“ und Gloria Heinke, die ihn sanft in Ohnmacht sinken lässt.
Eine Ballerina, Sina-Kirstin Koschick, im Herrenbad „Ich höre, wie sie duschen“ – und dann doch nur Kekse zum Mümmeln. Dramatisch der Sketch im Orchestergraben mit Frederike Grothues und Rebekka Köcher. Anspielung an einen echten Rohrbruch von 1997, der die Stadt viel Geld kostete – und hier eine ebenso witzige wie realistisch-fantasievolle Wende findet.
 Eine besonders hübsche und perfekt absurde Szene – und Godot bewusst zitiert – am „lauschigen Plätzchen“ der Theater-Kantine und einem Teller Suppe mit viel Bibel-Exegese und drei begabten Elevinnen, Christina Elsner, Sara Liebe und Nique Schmidt. In der Licht- und Tontechnik hinter dem Zuschauerraum mit optimalem Blick auf die Bühne, eine kleine Tragödie mit Teresa Bartling. Und bewundernswert, wie viel Emotion hier im knappen Meterabstand zum Publikum möglich ist. Ein kleines spielerisches Kabinettstück – und fast zu vergessen, dass hier keine professionellen Schauspieler agieren – die drei „Putzen“ im oberen Foyer. Drei grundverschiedene Typen und Charaktere mit Helen Brunotte, Dominque Eileen Fahs und Paulina Kretschmar.
 Inszeniert hat das alles und liebevoll Anastasia Eckert, die im TAB am Samstagabend auch Rosen ans jugendliche Ensemble verteilte. Ein schöner Abschluss und Theater in kleine Geschichten gegossen. Ein echtes Geburtstagsgeschenk – sich selbst geschenkt.



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