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Dieter Hufschmidt startet eine neue Lesereihe: „Doktor Faustus“

Auf Teufel komm raus

HANNOVER. Als wichtigster Roman von Thomas Mann wird oft der „Zauberberg“ angesehen, dicht gefolgt von den „Buddenbrooks“ (oder umgekehrt). Wer aber den „Doktor Faustus“ kennt, dieses tiefe und traurige und witzige und hochpolitische und garstige und schöne Spätwerk Manns über den Komponisten Adrian Leverkühn und das Katastrophendeutschland der Vierzigerjahre, wird meist anderer Ansicht sein.

veröffentlicht am 11.04.2017 um 15:17 Uhr

Dieter Hufschmidt liest Doktor Faustus. Foto: Nancy Heusel

Autor:

Bert Strebe

Wer den Roman nicht kennt und mal überprüfen möchte, ob der Spruch von dem Blut, das einem in den Adern gefriert, wirklich nur so eine Redensart ist, sollte ihn lesen. Vor allem die Stelle, an der der Teufel an Leverkühns Tisch sitzt. Man kann sich das aber auch anhören. In der Cumberlandschen Galerie, wo Dieter Hufschmidt am Sonntag eine neue Leserreihe mit dem Buch gestartet hat. Mehr als 20 Abende folgen noch.

Dieter Hufschmidt, der Vorleser der Stadt, findet leicht und behände in den Text. Wer vorher an Gert Westphal und seine 22-CD-Lesung von 1995 gedacht hat, vergisst sie ganz schnell. Westphal war meisterlich, aber dies ist live, und Hufschmidt hat so eine Art, ganz für sich zu lesen, als säße er in seinem Wohnzimmer, er liest nur zufällig laut und ist völlig im Text verschwunden, bloß die Stimme mäandert noch durch den Raum. Das war schon früher so, bei Hufschmidts Mammutleseprojekten von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und Musils „Mann ohne Eigenschaften“, und es ist jetzt wieder so. Oder noch besser.

Diese Stimme! Charaktervoll, aber nicht so aufdringlich wie die manch anderer Vorleser, angeraut, aber nicht zerrissen, tief, aber nicht grummelnd. Die Stimme eines Vaters, der erzählt, wie und warum die Welt so ist, wie sie ist.

Mittels dieser Stimme folgt das Publikum den ersten Erörterungen des Erzählers Serenus Zeitblom, der das verhängnisvolle Schicksal des Komponisten Leverkühn langsam aufblättert. Hufschmidt kommt am ersten Abend bis zum Kapitel IV. Da haben wir in der von Thomas Mann hier besonders vollendet vorgeführten Kunst der kontrollierten Abschweifung bereits einiges von den leichten Verwerfungen in den Charakteren von Leverkühns Eltern gehört.

Es geht weiter. Im Mai und im dann Herbst. Und irgendwann kommt die Stelle mit dem gefrierenden Blut.

Dieter Hufschmidt liest wieder Sonntag, 7. Mai, 17 Uhr, in der Cumberlandschen Galerie, Hannover, Prinzenstraße 9, aus „Doktor Faustus“.

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