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Auf der Suche nach Istanbul heute

"Zeichen, gefangen im Wunder" heißt die neue Ausstellung im Kunstverein Hannover, die als Leihgabe des MAK in Wien übernommen wurde. Momentaufnahmen gegenwärtiger Kunstproduktion im Kontext von Türkei und Istanbul. Unterschiedlichste Werke, die sich mit Kultur, Geschichte und dem Alltag dieser lebendigen Metropole auseinandersetzt, wie unser Berichterstatter Klaus Zimmer schreibt.

veröffentlicht am 06.09.2013 um 12:56 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

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Hannover. Früher, im Geschichtsunterricht haben wir noch viel gelesen und gehört vom Osmanischen Reich, das 1299 von Osman I. Ghasi gegründet wurde, wir haben gelesen von der Expansion der Osmanen nach Europa hinein, bis ihr Einfall 1683 vor Wien am Kahlenberg sein Ende fand. Und es war dann Mustafa Kemal Atatürk, der 1923 die Republik ins Leben rief.
 Heute verleben immer mehr Bundesbürger ihren Urlaub in der Türkei, dem Land zwischen Okzident und Orient. Und sicher liegt auch darin das Fundament dieser so reichen „zweisprachigen“ Kultur, die uns jetzt vom Kunstverein Hannover sozusagen „vor der Haustür“ präsentiert wird. Die umfangreiche Ausstellung, eine Leihgabe des MAK, Wien, zeigt uns eine Momentaufnahme gegenwärtiger Kunstproduktion im Kontext von Türkei und Istanbul.
 In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten abstrakten Plastiken für die Öffentlichkeit und gleichzeitig entfaltete sich eine reiche malerische Tradition, die von einem Gegenstand freien Expressionismus über sozialkritischen Realismus bis zur Pop-Art reicht.
 Aus der Suche nach dem Istanbul heute, ist eine Momentaufnahme der Kunstproduktion zum Kontext von Türkei und Istanbul gewachsen. Die weitverbreitete Unkenntnis über die Kultur dieses Landes, diese noch fremde Welt, soll durch das Angebot mit Fotografien, Filmen, Installationen und der Malerei von 23 Künstlern aus drei Generationen, die in der Türkei leben oder aber in dem Land aufgewachsen sind, ein umfassendes Bild verwirklichen.
 Wir stehen vor unterschiedlichsten Werken, die sich mit der Kultur, Geschichte und dem Alltag dieser lebendigen Metropole – auch kritisch – auseinandersetzen mit „ihrem“ Land, das sich unter westlichen und orientalischen Einflüssen seinen Weg suchte und sucht.
 Die erzählerische zeitgenössische Kunst zeigt sich in der Ausstellung als ein bestimmendes kuratorisches Moment, eine Literatur etwa, in der das Entstehen kollektiver Vorstellungen über Sprachen thematisiert wird, in Werken zum Beispiel von Mario Levi ((*1957), einem der wichtigsten Romanautoren der Türkei („Wo wart ihr, als die Finsternis hereinbrach?); oder Orhan Pamuk (*1952), Literatur-Nobelpreisträger 2006, Vermittler zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen Tradition des Orients. Und auch Franco Moretti (*1950) ein besonders kritischer Autor. „Die Epoche des Besitz- und Bildungsbürgertums ist definitiv zu Ende“.
 Und die bildende Kunst? Mit gesellschaftlichen Rollenbildern setzten sich Marcel Odenbach (*1953 Köln) mit seiner 2-Kanal-Video-Arbeit „Männergeschichten“, und CANAN (*1970) mit ihren märchenhaften Arbeiten im Stil einer Mogul-Miniaturmalerei, auseinander. Der 2007 verstorbene Hüseyin Bahri Alptekin, sein komplexes widersprüchliches Bild einer Stadt, seine Installation visualisiert das stereotope Erscheinungsbild billiger Hotels und deutet zugleich auf die Gastfreundschaft und Feindschaft von Besuchern, Fremden und Außenseitern hin. Die pakistanische Foto-Künstlerin Hamra Abbas (*1976), entfernt sämtliche Minarette und verweist zudem auf Diskussionen um Religionsfreiheit. Und so könnte vieles noch zu Papier gebracht werden. Besser, Sie gehen einfach mal hin, es lohnt sich!

u „Zeichen, gefangen im Wunder“, bis 10.11.2013. Infos: www.kunstverein-hannover.de



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