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10 000 Fans feiern Marius Müller-Westernhagen in Hannovers TUI-Arena

Auf der Suche nach der verlorenen Jugend

Hannover. Gerade kommen sie vom Bierholen zurück. Entrückt bleiben die beiden Männer breitbeinig auf der Treppe der TUI-Arena stehen. Je zwei WesternhagenBecher in die Höhe gestemmt, brüllen sie mit ihrem Marius zusammen: „Ich möcht‘ zurück auf die Straße, möcht‘ wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut.“ Auf der Suche nach der verlorenen Jugend treffen sich am Freitag 10 000 Menschen. „Ich bin fertig mit dir!“ schreit es aus Tausenden Kehlen. Hier darf sein, was zu Hause der Familiendiplomatie geopfert wird.

veröffentlicht am 23.09.2012 um 19:08 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Westernhagen bot schon immer Sublimierungsmuster wie Abgrenzungspotenzial. Der schnoddrige Theo aus dem Pott, der prollige Alles-egal-Lebensentwurf zwischen Underdog und Aufbegehren, der natürlich immer nur Spiel war. Später der Armani-Rocker mit Nähe zum Kanzler, Bewunderung für oder Neid auf den Aufsteiger. Aber die Hits rissen nicht ab. Und Westernhagen serviert an diesem Abend, was das Fanherz begehrt: den Pfefferminz-Prinzen, „Fertig“, „Willenlos“, „Sexy“, den Bluesrock „Nurejev“ und am Ende Balladeskes wie „Freiheit“ sowie „Johnny Walker“. „Mit 18“ zelebriert Westernhagen als eine feurige Rock’n’Roll-Nummer mit allerlei solistischen Spezereien seiner neunköpfigen, überwiegend aus Amerikanern bestehenden Band, die den Riffrock á la Rolling Stones zupackend und pointiert zu spielen weiß. Westernhagen greift zur Mundharmonika, ab und an lässt er sich eine dekorative Gitarre für ein paar Rhythmusakkorde reichen.

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier“, singt der 63-Jährige und dieses Revier heißt am Freitag Hannover. Gerne hören die Fans, dass ihr Mitwirken gerade alle bisherigen Shows noch einmal toppe. Klar, das wird Westernhagen beim nächsten Auftritt auch wieder sagen, aber die Stadiongesänge sind mitunter schon Champions-League-würdig. Westernhagen, eine blau getönte Nickelbrille vor den Augen und gertenschlank wie eh und je, trippelt und gockelt über die Bühne, der Schal weht hinterher, zur Zugabe schmückt ein Zylinder das Haupt. Er röhrt wie ein brünstiger Hirsch, trifft aber auch die leiseren Töne. Ein Missverhältnis allerdings, wenn er zu den Soldatenbildern, die „Krieg“ begleiten, eher ausgelassen über die Bühne hüpft. Sonst aber gelingen fantasievolle Projektionen hinter einem angenehm reduzierten Licht- und Bühnen-Design. Von den Stadien hatte er sich 1999 verabschiedet. Die großen Hallen dürfen es nun doch wieder sein. Den Fan freut’s.



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