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Elton John verabschiedet sich in der Tui-Arena von 10 000 Fans

Auf der Straße in die Unsterblichkeit

HANNOVER. „I think it‘s going to be a long, long time“, singt Elton John am Mittwochabend in der ausverkauften Tui-Arena. Die Zeile stammt aus „Rocket Man“ und könnte als selbstbewusste Vorausdeutung auf eine 50 Jahre währende Karriere interpretiert werden, die mit der laufenden Welttournee und ihren über 300 Shows 2021 auf die Zielgerade einbiegen wird.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 23.05.2019 um 19:50 Uhr

Starke Botschaften und viele Hits: Elton John verabschiedet sich von der Yellow Brick Road. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter

Zumindest will Sir Elton John nicht mehr ständig um den Globus jetten. Die schrillen Kostüme, die unzähligen Brillen, den Aufstieg zum Megastar, aber auch die suchtbedingten Abstürze und die unterdrückte Homosexualität sowie etliche nachgespielte Auftritte – all das verspricht das nächste Woche anlaufende Biopic „Rocketman“. Kein Ersatz freilich für ein Livekonzert. Klar, der 72-Jährige hechtet schon lange nicht mehr auf Plateauschuhen über den Flügel. Die Brillen aber sind immer noch bunt, wenngleich ohne Scheibenwischer.

Ab und zu erhebt sich John, um die Huldigungen des Fanvolkes entgegenzunehmen. Sonst hat er am Klavier alle Hände voll zu tun. Mit dem stotternden Tastendruck von „Bennie and the Jets“ bis zu den perlenden Läufen in „Your Song“. Auch wenn Perkussionist John Mahon bei den Höhen einspringt, Johns Stimme ist intakt. Und ganz hervorragend bei seinem, wie er sagt, persönlichsten Song, „Someone Saved My Life Tonight“. Persönliche Anliegen sind ihm nicht nur der Dank an seine treuen Fans, sondern auch ein Werben für seine Aids-Foundation, die er nach seiner „dunklen Zeit“ zwischen 1975 und 1990, über die er freimütig berichtet, gründete. Ein Appell für Toleranz und bessere medizinische Versorgung. Dazu eine Politikerschelte, auch wegen des Brexit-Chaos: „I’m proud to be a European!“ Dann aber regiert wieder die Musik. „Farewell Yellow Brick Road“ hat er seine Abschiedstour genannt.

Der Name ist Programm: Allein sechs Songs stammen von seinem Meisterwerk „Goodbye Yellow Brick Road“, neben „Bennie“ das nach Gewitterdonner sich dramatisch steigernde „Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding“, der Party-Rocker „Saturday Night’s Alright for Fighting“, das federleichte „All the Girls Love Alice“, „Candle in the Wind“ mit der ursprünglichen Widmung an Marilyn Monroe und als letzte Zugabe im Bademantel der Titeltrack mit den goldstaubgepuderten Aahaah-Chören. Der perfekte Popsong. Nur vier Lieder stammen nicht aus den 1970er Jahren. Das ist schade, hat John doch in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts vier Alben aufgenommen, die an die Großtaten anknüpfen. Dafür aber bekommt „Sad Songs“ eine Rhythm-’n’-Blues- Auffrischung, der Blues-Rocker „Levon“ enthält diverse Soli und immer wieder brilliert John mit ausgedehnten Klavierpassagen.

Die riesige Projektionswand steckt in einem gigantischen Bilderrahmen, der sich über zwei schräge Rampen zur Bühne hin öffnet und diese umschließt. Dazwischen auf zwei Etagen die Elton-John-Band. Perkussionist Ray Cooper und Schlagzeuger Nigel Olssen sind seit den frühen 70ern dabei, Davey Johnstone musste wegen einer Schulterverletzung durch John Jorgenson ersetzt werden, der sich dennoch eine Doppelhalsgitarre umhängt. Wenn das man nicht auf die Schulter geht. Ebenfalls in schwarzen Anzügen und Krawatten komplettieren Keyboarder Kim Bullard und Bassist Matt Bissonette das Line-up. Im Hintergrund laufen, wenn dort nicht die Band zu sehen ist, fantasievolle Zeichentrickfilme mit John als Captain Fantastic, ein Zickenkrieg-Video zu „The Bitch Is Back“, ein Anti-Rassismus-Film, Kriegsbilder zu „Daniel“, Fotos aus fünf Jahrzehnten bei „I’m Still Standing“ und quietschbunte Farborgien, die die Schrägen hinabfließen. Am Ende fährt John in einer Liftkanzel die Rampe hoch, eine Tür öffnet sich, ein letztes Winken, um schließlich auf der projizierten Yellow Brick Road in die sonnenbeschienene Unsterblichkeit zu entschwinden. Farewell, Elton!



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