weather-image
12°
„Der Junge mit dem Koffer“ im Theater Hameln

Auf der Flucht

HAMELN. „Ich bin im Land, wo Milch und Honig fließen. Es gibt für jeden Arbeit und die Leute auf der Straße lächeln einen an!“ Eine Postkarte des großen Bruders von der anderen Seite der Erde lässt die Eltern und seinen kleinen Bruder Naz hoffen – auf eine bessere Zukunft, denn ihre Heimat ist bedroht von Krieg und Terror. „Der Junge mit dem Koffer“ heißt das Jugendtheater-Stück, das nun im TAB des Theaters Hameln zu sehen war.

veröffentlicht am 13.02.2017 um 09:23 Uhr

Krysia (Stephanie Pardula) und Naz (Thomas Ehrlichmann) in Schwierigkeiten. Foto: Henrik Pfeifer

Autor:

Meike Münck
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Da das Geld nicht für die ganze Familie reicht, geben Naz’ Eltern all ihr Hab und Gut, um ihren Jungen auf die Reise zu schicken. Naz verbindet die abenteuerliche Flucht, die ich nicht nur in die Wüste, sondern auch über Gebirge und Meere führt, in seiner Vorstellung mit den Geschichten von Sindbad, dem Seefahrer. Diese hat ihm sein Vater immer zum Einschlafen erzählt. Die Erinnerungen an die Geschichten lassen den jungen und naiven Naz in seine kindliche Fantasie abtauchen und helfen ihm dabei, Kraft für die beschwerliche Reise zu schöpfen und lebenswichtige Entscheidungen zu treffen. Auf seinem Weg trifft er ein Mädchen namens Krysia, die er sofort in sein Herz schließt. Beide stützen sich gegenseitig auf ihrem Leidensweg. Als Naz es am Ende seiner Reise zu seinem Bruder nach London geschafft hat, erweist sich der Traum vom Wohlstand in der modernen westlichen Welt als Illusion. Dennoch lässt sich Naz sein Lebensglück nicht kaputt machen, denn er hat etwas, was ihm keiner nehmen kann: seine Geschichten.

Der preisgekrönte Autor Mike Kenny hat hier eine bewegende und hochaktuelle Thematik, hervorragend für Kinder und Jugendliche – empfohlen war das Stück ab 10 Jahre – aufbereitet. So gibt es bei aller Tragik auch lustige Momente, die für Lacher sorgen. Etwa als Naz und Krysia mit dem lustigen Rastafari-Bus fahren oder der gestrandete Naz versucht, trotz Sprachbarriere mit einem alten Ehepaar zu reden. Das anrührende Stück bestreiten einzig drei Schauspieler, die dabei in mehrere Rollen schlüpfen: Thomas Ehrlichmann spielt Naz, Sindbad und Erzähler, , Adrian Thomser unter anderem seinen Vater sowie Stephanie Pardula Krysia und andere. Alle drei treten durchbemerkenswerte schauspielerische Leistung und glaubwürdige Darstellung hervor. Das weckt viel Mitgefühl für Naz und Krysia, die auf ihrer Flucht so vieles durchmachen müssen.

Beim jungen Publikum kommt das Stück gut an. Sie applaudieren begeistert. Auch die Erwachsenen sind offenbar angetan. Ein Stück, das zeigt, dass wir für vieles dankbar sein können. Vor allem für den Frieden.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare