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Musik und Wort präsentiert Humorvolles von Meister Eckhart bis Rübezahl

Auch mystische Gestalten haben Humor

Hameln. „Dass mystische Gestalten die Aura des Geheimnisvollen und Unverständlichen umgibt, das stimmt nicht immer“, teilte der Hamelner Zahnarzt Dr. Wolfgang Killmann den Besuchern der auch diesmal wieder sehr gut besuchten Veranstaltungsreihe „Musik und Wort“ mit. In der Tat bewies die von Killmann und Peter Kluwe zusammengestellte Textauswahl, dass auch mystische Sagenfiguren durchaus humorvolle Seiten haben.

veröffentlicht am 24.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 23:41 Uhr

Barock-Ensemble mit Annika Schmidt (Violine) sowie Maren und Jör

Autor:

Ernst August Wolf
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Da „kitzelte“ der spätmittelalterliche Meister Eckhart, ein Anwalt der kleinen Leute, „den lieben Gott durch“, und die später heiliggesprochene Karmeliterin Theresa von Ávilla erfreute das amüsierte Publikum im Münster mit Lebensweisheiten, die im 16. Jahrhundert wie heute gelten, etwa „Wenn faste, dann faste, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn“.

Natürlich durfte auch der erste große europäische Romanheld nicht fehlen. Als „Ritter von der traurigen Gestalt“ machte der sich die Welt ganz wie sie ihm gefällt, rannte in tragikomischer Manier gegen das Böse verkörpernde Riesen an, die sich bekanntlich als Windmühlenflügel entpuppen. Mollah Nasreddin, eine orientalische Eulenspiegelvariante aus dem 13. Jahrhundert, „manchmal schlauer Mensch, manchmal Idiot“, beantwortete die Bitte eines Reisenden, ihn doch bitte ans andere Ufer zu holen mit der verblüffenden Feststellung „Wieso, du bist doch am anderen Ufer“.

Die Sagen um den Herrscher des Riesengebirges, jenen mal launisch-bengelhaften, dann wieder herzensguten Berggeist Rübezahl, mögen viele der Zuhörer aus frühester Kindheit noch vertraut gewesen sein, aber auch das jugendliche Publikum stufte das fast vergessene „Kraftgenie“ nicht zuletzt wegen der „all-you-can-eat“ Geschichte um 150 Würstchen als „durchaus comedy-tauglichen, coolen Typen“ ein.

Lupenreines Sächsisch

Als Sahnehäubchen präsentierte der aus Leipzig stammende Wolfgang Killmann in „südwestosterländischem Dialekt“ – für ungeübte Ohren lupenreines Sächsisch – das „Kaffeegespenst“ der Mundartdichterin Lene Voigt.

Das aus Annika Schmidt, Maren und Jörg Heim bestehende Barock Ensemble kommentierte all diese humorvollen Texte sehr stimmig und einfühlsam mit rundum heiteren Werken von Arcangelo Corelli und Johann Sebastian Bach.



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