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Hans-Jürgen Schmelzers Hesse-Biografie „Auf der Fährte des Steppenwolfs“ als überarbeitete Neuauflage

Auch Hesse: „Dichter muss man nehmen, wie sie sind“

Hameln. Für Alfred Döblin waren er und sein Werk „langweilige Limonade“, während Martin Buber schrieb: „Hermann Hesse hat dem Geiste gedient, indem er als Erzähler, der er ist, vom Widerspruch zwischen Geist und Leben und vom Streit des Geistes gegen sich selbst erzählt“. 1946 wurde Hesse, der „Dichter der deutschen Innerlichkeit“, wie er gerne genannt wird, mit dem Goethe-Preis und dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Ein Dichter zwischen Bewunderung und Ablehnung, der vor allem die Jugend begeisterte, aber immer auch heftig kritisiert wurde. Immerhin: Um solche Emotionen auszulösen, kann man kein „Kleiner Mann“ sein, wie Gottfried Benn urteilte.

veröffentlicht am 09.12.2012 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Hermann Hesse – eine Biografie, die es in sich hat. Und vom Autor des „Peter Camenzind“ bis zu „Der Steppenwolf“ und „Das Glasperlenspiel“ postuliert: „....eine gute Biografie ist das Schwerste, was es gibt“. Hans-Jürgen Schmelzer, mittlerweile Hamelner Bürger, der hier auch unter dem Titel „Der verlorene Sohn des schwäbischen Herodes“ einen neuen Blick auf Friedrich Schiller warf und auch Deutschlands unglücklichstem Dichter, Heinrich von Kleist, eine Biografie widmete, hat sich schon früh mit Hermann Hesse beschäftigt. Die überarbeitete Neuauflage „Auf der Fährte des Steppenwolfs“ könnte – wenn schon keinen Hesse-Boom, wie es zuletzt die 70er-Jahre, nicht nur durch die Verfilmung des Steppenwolfs erlebten –, so doch neues Interesse an diesem so widersprüchlichen Dichter auslösen.

Keine wirklich glückliche Kindheit in einer bigotten Familie, die mit dem kleinen Hermann nicht zurande kommt. Schmelzer widmet der Vorgeschichte breiten Raum – weil, wie er sagt, selten so viel Material zur Verfügung steht. So werden Eigentümlichkeiten des Dichters, der sein Leben lang unter Augen- und heftigen Kopfschmerzen litt, unter Rheuma und wohl auch hypochondrisch veranlagt war, in neuem Licht gezeigt. Er musste um sein Dichtertum kämpfen, ständig neue Opfer bringen und, von Schmelzer unsentimental ausgebreitet, Opfer zurücklassen. Erst mit seiner dritten Frau, Ninon, mit der er über 30 Jahre zusammen war, findet er den richtigen Lebenspartner, der ihn nimmt, wie er ist, ohne völlig in ihm aufzugehen. Sie lebt ihr Leben – reist viel, macht sich für Hesse unentbehrlich, indem sie sich vermissen lässt. Schmelzer schreibt Hesse nicht schön wird ihm aber gerade dadurch gerecht und findet zwischen „Dichtung und Wahrheit“ einen Weg möglichster Nähe. Das Korsett der Daten und Fakten ergänzt um Einfühlung. So gelingt es Schmelzer, den Dichter und Menschen Hesse zu beschwören. Die spannende Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes zu schreiben. Besonders beeindruckend, wenn Ninon, die etwas Ordnung in Hesses Chaos brachte, feststellen muss, dass genau das die künstlerische Kraft des Autors bremst. Dazu die Erkenntnis: „Dichter muss man nehmen, wie sie sind“ und auf Hesse bezogen: „Er brauchte seine Schmerzen an der Welt, um schreiben zu können“. Ein Egomane, der es sich und den Menschen, mit denen er umgeht, nicht leicht macht.

Schmelzer hat Hesses Örtlichkeiten, wie er sagt, besucht und vor Ort recherchiert, war in Calw, in Basel, kennt das Haus in Gaienhofen am Bodensee, das Berner Domizil und die Aufenthaltsorte im Tessin. Hat viel mit Hesses Nachkommen reden können. Für die Neuauflage hat er sich neu auf Hesse eingelassen, musste sich wieder zurückversetzen, wie er sagt, und sich erneut „auf die Fährte des Steppenwolfs“ begeben.

Hans-Jürgen Schmelzer: Auf der Fährte des Steppenwolfs, Verlag Hohenheim, 350 S., 19.90 Euro.



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