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Technisch multiplizierte Stimmakrobatik: Vinx in der Sumpfblume

Archaische Kraft der Musik

Hameln. Kaum zu glauben, dass dieser massige Musiker mit dem Piratenkopftuch auf der Bühne der leider nicht ganz ausverkauften Sumpfblume 1980 den zweitbesten Dreisprung der Welt hinlegte. Doch die USA boykottierten die Spiele von Moskau, Vinx zog nach Los Angeles und startete eine Weltkarriere – als Perkussionist und Sänger. Ob Sting oder Stevie Wonder, Vinx hat an der Seite vieler Musiklegenden gespielt.

veröffentlicht am 15.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 04:21 Uhr

Und jetzt alle zusammen: Vinx und die Women in Voice. Foto: eaw

Autor:

Ernst August Wolf
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Das durch den Hamelner Frauenchor Women in Voice auf Vinx eingestimmte Publikum erlebte die mitreißende Ein-Mann-A-Cappella-Show eines einzigartigen Perkussionisten, der sich auf einer Djembe virtuos und mit schier unerschöpflichem Ideenreichtum selbst begleitete. Aber auch die eigene Stimme, ein Mikrophon und eine Loop-Machine sind ihm genug. Deren höchst kreative Handhabung nutzt er, um eigene Melodiemotive und vokal erzeugte, technisch verfremdete Rhythmuseffekte zu wiederholen, sodass nach einer Weile die Klänge einer vermeintlichen Band durch den Saal der Sumpfblume wabern.

Mal mit samtweichem, spielerisch-verträumtem Timbre, mal voll leidenschaftlicher Expressivität, mal amerikanisches Liebeslied oder Traditional, mal schier endlose Variationen exzellent improvisierter Ad-hoc-Einfälle, in jeder Sekunde dieses eindrucksvollen Konzertes wusste Vinx mit der archaischen Kraft seiner Musik ein wundervolles Gänsehaut-Feeling zu erzeugen. Da kribbelten die Bässe durch den Körper, da schienen die Klang- und Rhythmuskaskaden die dunklen Wände des Raumes zu durchdringen. Die technisch multiplizierte Stimmakrobatik des Mannes, der mit nichts weiter als einer Trommel und seiner Stimme um die Welt reist und sich in die Herzen der Zuhörer spielt, speist sich aus den rhythmischen Wurzeln der südamerikanischen, der karibischen und der afrikanischen Musik. Keine Frage: Der 51-jährige Vinx, ein Musiker von Weltrang, hätte eigentlich keine leeren Plätze in der Sumpfblume verdient gehabt.



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