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Veränderte Welt: „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“

Apple-Freak mit Apple-Biss

HAMELN. Es ist unser Leben, unsere digitalisierte Welt im Spiegelbild des Steve Jobs - samt seiner Agonie und Ekstase, wie es im Titel heißt und am Montagabend als drittes Angebot der Nach-Brandschutz-Pause unsere Bühne im Rampenlicht zeigt.

veröffentlicht am 09.01.2018 um 13:59 Uhr
aktualisiert am 09.01.2018 um 18:20 Uhr

Im Zeichen des Apfels: Klaus Köhler in „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“. Foto: Pr/Andreas Etter
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Richard Peter Reporter

Ein Thema, das uns allemal auf den Nägeln brennt - brennen müsste – aber das Publikum, obwohl fast alle I-Phone-Besitzer, erstaunlich kalt ließ. Nicht die eher wenigen, die gekommen waren – und auch von den „billigen Plätzen“ an die Rampe wechseln durften. Nicht ganz die fein-faire Art, wenn auch aus Künstlers Sicht verständlich. Das Gros hatte nach den Comedian Harmonists und dem traditionellen Neujahrskonzert ein Päuschen eingelegt.

Das Stück mit dem eigenwilligen Titel: die gespielte Biografie eines exzentrischen Genies aus der Sicht eines Fans. Und die Welt, unser aller Leben nachhaltig verändert. In kürzester Zeit – und auch fortlaufend verändern wird. Der gläserne Mensch – wenn erst das Geld abgeschafft ist – wie ihn Orwell und Huxley so nicht ahnen konnten. Auch nicht wollten.

Am Anfang stand die Turing-Maschine nach Alan Turing – nichts weniger als der erste Computer. 1976 – noch gar nicht so lange her – gründete Jobs zusammen mit seinem Freund Steve Wozniak die Apple Computer Company. Logo: ein angebissener Apfel. Egal, ob Turing, der durch einen Biss in einen vergifteten Apfel seinem Leben ein Ende setzte oder Evas fataler Biss in den Paradiesapfel: eine Biografie, die nicht einfach Lebensstationen abarbeitet. Mike Daisey – bekennender Apple-Fan, der es dennoch genauer wissen wollte und die Produktionsstätten in China besuchte - hat für die größte Umwälzung seit Erfindung des Buchdrucks eine ebenso eigene wie eigenwillige Form gefunden, die zwischen Kabarett, Satire, Privatem und Zeitzeugnis pendelt.

Dazu Klaus Köhler, der virtuos ausstellt, variantenreich Privates mit Offiziellem mischt und die Bühne allemal als Bühne. Und liebevoll eingespielt – manchmal etwas zu laut – was musikalisch nicht nur nebenbei als Parallelwelt erlebt wurde. Dylan und sein geradezu prophetisches „The Times they are a changing‘“, Buddy Holly mit „It’s so easy“, aber auch Alphaville, Chapman, dann „Fred vom Jupiter“, aber auch Geier Sturzflug mit ihrem Hit „Bruttosozialprodukt“.

Und immer das neue, allerneueste iPhone, das Leben spannender macht, heiß begehrt, aber als Produkt weit zurückfällt in frühkapitalistische Formen. China macht es möglich.

Eine Geschichte, die in diesem Fall von Klaus Köhler lebt, der mit dem Publikum spielt, immer wieder im Parkett auftaucht, Besucher mit Namen anspricht – bitterernst referiert um dann spielerisch Kabarett in Reinkultur zu zelebrieren. Im steten Wechsel: Normalfall, der Sekunden später im extrem Theatralischen landet. Glänzend gespielt und Sprechkaskaden brillant wie aus dem Maschinengewehr ins Publikum gefeuert. Zuletzt, nach vielen Einspielungen, Bilddokumenten, der Apfel-Biss und selten, dass so wenig Publikum so viel Applaus spendet.

Der einzige Wermutstropfen der überwältigenden Show: Das Thema – vor allem aber Klaus Köhler – hätten ein volles Haus verdient.

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