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Joachim Schäfer und das Preußische Kammerorchester gastieren im Münster St. Bonifatius

Anhaltender Beifall im festlichen Konzert

Hameln. Ein Zitat von Victor Hugo hätte als Motto über dem gut besuchten Konzert im Münster St. Bonifatius stehen können: „Mit Musik in die Passionszeit“. Im Rahmen der Veranstaltungen zum 1200-jährigen Jubiläum unserer heimischen Kirche gastierten hier renommierte Solisten und das in Prenzlau beheimatete Preußische Kammerorchester. Sie boten Werke des Spätbarock in wechselnder Besetzung.

veröffentlicht am 26.03.2012 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

Ernst Wilhelm Holländer
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Man soll es ja nicht sagen, aber das Münster hat erhebliche akustische Tücken. Darunter litt vor allem das Konzert für zwei Cembali und Streicher c-moll, BWV 1062, von Johann Sebastian Bach, eher bekannt im Original für zwei Violinen. Zwei hervorragende Solistinnen saßen an den Instrumenten: die Slowakin Judit Itsak und die hierzulande sehr geschätzte Kantorin am Münster, Maria Potaschnikova, die übrigens auch die Gesamtleitung dieses Konzerts hatte. Man sah sie wohl, sah auch, mit welchem Zugriff sie ihre heiklen Parts spielten, aber man hörte sie kaum. Die nun einmal „leisen“ Instrumente hätten anders aufgestellt werden müssen. So vernahm man eher die Begleitung durch die Streicher. Etwas ausgegrenzt wirkten da zum Beispiel die „Einwürfe“ des Tutti im Schlusssatz. Fazit: sehr schade um die guten solistischen Leistungen der Cembalistinnen!

Da erklang das Concerto in a-moll für zwei Violinen und Streicher, opus 3, von Antonio Vivaldi doch geschlossener. Die Konzertmeisterin des Preußischen Kammerorchesters, Aiko Ogata, und ihr Kollege Jakub Rabizo musizierten das Werk mit straffem, dabei doch durchsichtigem Spiel, fanden im langsamen Satz zu tief gehendem Wohlklang.

Zu Höhepunkten wurden die Konzerte für Trompete mit dem Solisten Joachim Schäfer. Der aus Dresden stammende Musiker hat den Ruf eines kommenden Weltsolisten. Vivaldis Konzert in B-Dur eröffnete den Abend, man genoss die lebhaft pulsierenden Ecksätze, vor allem aber das herrlich zelebrierte Largo mit nur kleiner Streicherbegleitung als gleichsam „pastorale“ Kostbarkeit.

Die Konzerte in f-moll des Magdeburgers Georg Philipp Telemann und im strahlenden Es-Dur von Johann Baptist Neruda, erfolgreich in Dresden wirkend, gehörten dem Solisten Joachim Schäfer, der sein Instrument perfekt beherrscht, alle Feinheiten ausspielt, vor zur Zeit des Entstehens dieser Werke kaum spielbaren technischen Hürden keine Scheu zeigt. In dem Konzert von Neruda brillierte er mit Trillern und rasanten Läufen, spielte hochvirtuose Kadenzen. Gerade dieses Werk setzte dem Abend einen Stempel auf; es gab, zusammen mit dem liebevoll begleitenden Orchester, ein beglückendes Musizieren.

Dann durfte man auch applaudieren. Der Beifall war herzlich und anhaltend, und die Künstler dankten mit dem virtuos interpretierten Schlusssatz aus der D-Dur-Sonate von Telemann.



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