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Kriminalpsychologin Lydia Benecke gastiert am Samstag in der Sumpfblume

„Andere schauen Fernsehen, ich habe einen Job“

HAMELN. Die Diplom-Psychologin Lydia Benecke, die gruppentherapeutische Arbeiten mit Sexual- und Gewaltstraftätern in Sozialtherapeutischen Anstalten und Straftäterambulanzen betreut, arbeitet auch als Autorin und zieht mit ihren Büchern und Lesungen deutschlandweit Zuhörer in ihren Bann. Am Samstag gastiert sie in der Sumpfblume.

veröffentlicht am 08.04.2017 um 09:00 Uhr
aktualisiert am 08.04.2017 um 15:55 Uhr

Foto: Thomas Van De Schecke
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Autor

Sabrina Kleinertz Reporterin
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Jeden Sonntagabend sitzt ein Großteil der Deutschen zur besten Sendezeit gespannt vor dem Fernseher, um beim Tatort mitzufiebern und selbst zu ermitteln. Wer ist der Täter? Was waren seine Motive? Diese Fragen werden am Montag bei der Arbeit diskutiert, doch wie realistisch sind solche Darstellungen und wie sieht die berufliche Zusammenarbeit mit solchen Tätern wirklich aus? „Normalerweise nennen wir Straftäter, die wir behandeln, eher Klienten“, korrigiert Lydia Benecke und gesteht lachend, „ich bin kein großer Fan von fiktiven Werken, da mir vieles zu unreal ist.“

„Ich denke, dass das Interesse der Leute an meiner Arbeit vor allem aus zwei Gründen groß ist“, erklärt die selbstständige Kriminalpsychologin, „zum einen fragen sich die Leute, ob auch sie Straftäter erkennen können, zum anderen gibt es ein Interesse daran, Straftaten zu betrachten, ohne selbst involviert zu sein.“ Diese Mischung kann man heute, Samstag, 8. April, auch in der Sumpfblume erleben, wenn Lydia Benecke aus ihrem Buch „Die Psychologie des Bösen“ liest.

Dabei soll die Frage beleuchtet werden, was ein Psychopath ist. „Viele Leute haben Vorstellungen von Serienkillern oder Hannibal“ so Benecke, „das ist nicht falsch, aber auch nicht repräsentativ.“ Anhand von Fallbeispielen und Einblicken in die Gedankenwelt soll sich diesem Thema genähert werden. Das Interesse dafür hat sich bei Lydia Benecke schon in früher Kindheit entwickelt. „Als Kind habe ich Zeitungsberichte ausgeschnitten, die sich mit diesen Crime Stories beschäftigten“, erinnert sich die Therapeutin, „durch meine Leidenschaft für das Kategorisieren habe ich dann festgestellt, dass sich viele Berichte wiederholen.“

In ihrer alltäglichen Arbeit mit ihren Klienten käme es auf bestimmte Fähigkeiten an. „Man sollte auch an traurige Geschichten sachlich herangehen“, berichtet Benecke, „ich vergleiche das gerne mit einem KfZ-Mechaniker, der bei einer Maschine Effekte behebt, die nicht so sind, wie sie sein sollten.“

Trotzdem gäbe es keine Menschen, die von Grund auf böse seien. „Menschen werden nicht böse geboren“, stellt die Kriminalpsychologin klar, „die meisten haben ein durchschnittliches Spektrum an Emotionen – von Freude über Angst bis zu Trauer und Aggressionen.“ Zwar gäbe es genetische Faktoren, allerdings würde die Mischung aus Anlagen und Umwelteinflüssen ausschlaggebend sein, wenn es zu Straftaten käme. Bei einigen Menschen sei das Muster von Fühlen, Denken und Handeln aber ungewöhnlich, was das Begehen von Straftaten begünstigen könne. Das fasziniere Benecke an ihrer täglichen Arbeit. „Man kann nicht in Schubladen denken, sondern hat es mit teils widersprüchlichen Facetten zu tun.“ Das mache die Realität für die Autorin so spannend. „Andere schauen Fernsehen, ich habe einen Job“, lacht Benecke.

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