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„Wendezeiten“ seit Freitagabend bei der Künstlergruppe „arche“ zu bestaunen

Am großen Wende-Rad gedreht

„Zu-wenden, Ab-wenden, umkehren, drehen, ver-wenden“: In der Galerie arche eröffnete am Freitagabend die Ausstellung „Wendezeiten“. Eine ebenso spannende wie aktuelle Gemeinschafts-Ausstellung der Künstlergruppe in ihren Galerieräumen am Haspelmathturm.

veröffentlicht am 24.04.2016 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Hameln. „Wohin soll ich mich wenden“ heißt es in Schuberts „Deutscher Messe“ – im Zweifelsfall und seit Freitagabend auch an die arche, die mit „Wendezeiten“ wieder einmal eine ebenso spannende wie aktuelle Gemeinschafts-Ausstellung in ihren Galerieräumen am Haspelmathturm präsentiert. Und „Wende“, womit Prof. Wulf Schomer in seiner Einführung so wortschöpferisch spielt mit „zu-wenden, ab-wenden, umkehren, drehen, ver-wenden, Wendekreis, Wendemarke und gewendet“ – um es damit bewenden zu lassen.

Ein Thema auch als Nach-Wende-Zeit – weil man mit Wende weder seiner noch anderen Zeiten entgeht – dem sich die Künstler hier stellen. Sich fantasievoll damit auseinandersetzen. Wie so oft als politische Metapher – Gisela Gührs, wie die Appos, Irene und Josef sowie Edda Zesin, Moritz Bormann, Hans Sasse und auch Wulf Schomer als arche – Urgesteine. Die Gührs im Turm-Rund zur Galerie mit rund 60 Plastikbeutelchen, gefüllt mit gefärbtem Meerwasser und Tang mit einer Armada federleichter Segelbötchen, schwebend an Fäden, wie Schomer formuliert. Boote, die an die vielen Boote erinnern mit noch mehr Flüchtlingen. Auch sie eine Marke als Wendezeit für eine so schrill verwendete Welt. Ein ästhetischer Hingucker und Stich ins Herz. Und noch eine Gührs mit Installation – allerdings von Susanne Gührs. Ein schlichter Zeitmesser für Zwei, die sich gegenüber stehen, sich stumm in die Augen schauen. Zwei Minuten können da lang werden beim Augen-Spiel „Wen siehst Du?“, „Was siehst Du?“ „Warum siehst Du es?“ - und noch viele wie, wen, warum - und in meinem Fall und der Künstlerin: einfach und simpel männlich gedacht: was für eine bezaubernde Frau. So einfach kann Kunst manchmal sein.

Ganz oben, im Kabinett über der Galerie ein Video von Birgitta Martin zum arche-Thema „Begegnung Heimat“. Potenzierte Wende. Hans Jürgen Thoms als sarkastischer Realist, wie Schomer ihn einordnet. Dazu eine Dreiergruppe als Smartphone-Zombies, als hätte sie ein Hopper isoliert. Wende sozusagen „ent-wendet“. Und weiter von Schomer zu diesem so komplexen Bereich und thematisch am großen Rad gedreht – an den DDR-Umbruch alias „Wende“ erinnert, aber auch an Kopernikus, der die heliozentrische Zeit begründete und jeder mit seinen eigenen Wendezeiten und seien es nur die Wenden von der Jugend zum Alter, aber auch unsere Energiewende und die vielen Stile, die so viel gewendet haben.

Erinnerung an die Flüchtlinge auf dem Meer: Rund 60 Plastikbeutelchen, gefüllt mit gefärbtem Meerwasser und Tang mit einer Armada federleichter Segelbötchen. Fotos: Dana

Auf der Galerie: Fotografien von Andreas Hoppe mit einem von Menschen verlassenen Ort, auch Bernd Schlüter – ebenfalls ewig schon der arche verpflichtet – mit „Freiheit versus Sicherheit“. Eine düstere Szenerie von Volker Heine, die an Radziwill erinnert. Meike Lothmann im großen Ausstellungsraum als Gast mit zwei Aquarellbildern. Ulli Kowalke mit einem wilden Gemenge buntfarbener Figuren. Ulrike Henß – „Heidi“ mit angehängter Puppe. „Hände“, von Michelangelos Schöpferhand bis zur Roboterhand, prägen eine Zeichnung von Sabine Pantke. Wulf Schomer ist mit seiner Arbeit „Sich auflösender Gletscher“ vertreten – dramatische Wendezeit. Schlicht „Katastrophae“, was im Griechischen Wendepunkt bedeutet. Hans Sasse setzt Stilformen von Gotik und Romanik gegen funktionale Verkehrszivilisation. Und zentral im Raum: Moritz Bormann und sein „Europa-Lamento“ - und unsere Merkel als transparente Europa auf dem Stier - und die Reiterin von Schomer als Produkt der Wendezeit gesehen. Nur wer sich ändert, bleibt mit mir verwandt, notierte schon Goethe. Die Endlos-Wende als Wende-Alltag.

Auch „Mutti“ wird sich dem nicht entziehen können. Jetzt sorgt sie erst mal in der arche für Krach, wenn sie in Bewegung gesetzt wird.

Noch bis zum 22. Mai , Künstlergruppe arche, Kastanienwall 12, Hameln.



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