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Was während des Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur am Theater passiert? Friederike Syska erzählt

Am allerliebsten blickt sie hinter die Kulissen

Von Julia Marre

veröffentlicht am 26.04.2010 um 16:54 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

„Nach dem Abi wollte ich noch nicht direkt studieren&ldquo
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Hameln. Darauf, endlich aufs Gymnasium gehen zu dürfen, hat sich Friederike Syska als Kind lange gefreut. Nicht, weil sie sich an ihrer vorherigen Schule nicht wohlgefühlt hätte. Sondern „weil ich dann endlich, endlich ab der siebten Klasse in der Theater-AG mitmachen konnte“, lacht die heute 20-Jährige. Sechs Jahre lang war sie am Rintelner Gymnasium Ernestinum Mitglied der Theatergruppe. Woher ihr Interesse fürs Theater kommt? „Ich habe mit meinen Eltern ziemlich viele Musicals gesehen.“ So hegte sie bald den Wunsch, selbst einmal auf der Bühne zu stehen. Gesungen hat Friederike schon seit ihrem fünften Lebensjahr im Chor.

Heute gibt sie mitunter selbst den Ton an. In der Aula der Hamelner Pestalozzi-Schule leitet Friederike dienstags nachmittags gemeinsam mit Natalia Ovtchinnikova die Theater AG. Derzeit wird geprobt: „Pimp das Rotkäppchen“ heißt die modernisierte Fassung des Märchens. Die Hauptdarstellerin wird auf der Bühne statt eines Kopftuches ein rotes Baseball-Cap tragen. Der böse Wolf sagt zu ihr: „Yo, red cap, was geht?“ Und tatsächlich geht auf der Bühne zwischen Papptannen und Großmutters improvisiertem Wohnzimmer so einiges. Spielerisch führt die 20-Jährige die Fünft- bis Siebtklässler an die Sache mit dem Spielen heran: mit pantomimischen Übungen, die ihre Kreativität fördern sollen. Neben Regieanweisungen, Souffleusentätigkeit und Tipps für die Schüler kümmert sich Friederike auch um Organisatorisches: Woher kommen die Kostüme für die Aufführung? Welche Requisiten müssen noch besorgt werden? Wie soll das Bühnenbild aussehen?

Doch das Betreuen dieser Theater-AG ist nicht ihre einzige Aufgabe. „Ich habe noch zwei weitere Schauspielprojekte“, sagt Friederike, die seit September am Theater Hameln das „Freiwillige Soziale Jahr Kultur“ absolviert. Ihr Hauptauftrag besteht darin, Schule und Theater miteinander zu verknüpfen. Wochentags von 9 bis 17 Uhr arbeitet sie am Rathausplatz. Wenn sie abends eine Vorstellung besucht, beginnt ihr Arbeitstag um 14 Uhr. Besonders gern betreut sie die Arbeitsgemeinschaften an Schulen. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht ausschließlich in der Verwaltung tätig bin, sondern auch direkt mit Schauspielerei in Berührung komme“, sagt die Rintelnerin. So studiert sie an der Grundschule Hohes Feld mit Viertklässlern Janoschs „Komm wir gehen in die Schule“ ein. Und hat als Jahresprojekt eine Theater-AG für 13- bis 16-Jährige gegründet.

Wenn Friederike nicht auf oder vor der Bühne steht, sorgt sie unter anderem dafür, dass die sogenannten Theaterscouts mit Informationen versorgt werden. Theaterscouts? „Das sind jugendliche Theaterexperten, die an ihren Schulen Flyer verteilen und bestimmte Stücke ins Gespräch bringen sollen“, erklärt sie. Außerdem gewinnt sie Einblicke ins Theaterleben, die anderen vergönnt bleiben. Etwa zum Theatermarkt der Inthega, bei dem neue Aufführungen vorgestellt werden, hat Friederike die Theaterdirektorin Dorothee Starke begleitet. Die Hamelner Kinder- und Jugendtheaterwerkstatt im Juni wird sie organisieren. Es ist eine Veranstaltung, bei der Friederike vor einiger Zeit selbst mit einer Schülergruppe auf der Bühne stand. „Darauf freue ich mich, weil ich alles von der anderen Seite miterleben kann.“ Ebenso mit Spannung erwartet sie die heute beginnenden Tanztheatertage. „Denn ich würde gerne mal eine Generalprobe sehen“ – was an einem Gastspielhaus nicht oft möglich ist.

Was sie sonst in den vergangenen Monaten gelernt hat? „Dass Opern gar nichts für mich sind.“ Die Inszenierung von „Carmen“ habe ihr nicht gefallen. „Zu anstrenged“, sei die Aufführung gewesen. Und dass sie auf jeden Fall dem Theater verbunden bleiben möchte – „auch wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht ganz so flexibel bin, wie es der Beruf der Theaterpädagogin erfordert“.

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