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Peter Murphy und sein eindrucksvolles Solokonzert im Capitol

Alte Erfolge brüht er nicht auf

Hannover. Es hätte eine hübsche Beerdigung werden können. Die Gemeinde war – zahlenmäßig recht spärlich – im kleinen Schwarzen mit adretter Netzstrumpfhose, toupiertem Haar und einem traurig entrückten Lächeln um die Augen versammelt. Der endgültige Abschied von Bauhaus, jener schillernd-düsteren Ikone des Gothic Rock? Das Capitol als Friedhof für Legenden?

veröffentlicht am 20.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Thorsten Sienk
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Dazu ist es zum Glück nicht gekommen, weil ein Frontmann allein keine ganze Band ausmachen kann. Folglich hat der charismatische Sänger Peter Murphy bei seiner „Secret Cover“-Solotour das einzig Richtige getan: nicht diesen Anspruch erhoben und den eigenen Stil verfolgt, statt die Erfolge von damals schal aufzubrühen.

30 Jahre sind rum, seit Bauhaus dem Horror-Stummfilm-Darsteller Bela Lugosi ein musikalisches Denkmal setze, das zur Hymne der Gothic-Szene wurde. Hymnen haben den Charme, unsterblich zu sein, während ihre Schaffer – passen sie nicht höllisch auf – schnell zu Untoten mutieren.

Murphy, mittlerweile 62 Jahre alt, konzentriert sich im Capitol auf seine Stimme und belässt es bei ausgewählten akustischen Reminiszenzen an die Zeiten mit Daniel Ash, David J. und Kevin Haskins. Der Beginn mit „Double Dare“ lässt einen anderen Konzertverlauf vermuten, zumal Murphy offenbar auch ein besonderes Verhältnis zu seinem naturgemäß in die Jahre gekommenen Körper zu pflegen scheint.

Während der ersten drei Lieder steht der Sänger im dichten Nebel. Das lange schüttere Haar hat Murphy mit einer Mütze bedeckt, und den federbesetzte Kragen seiner Jacke bis über die Ohren geklappt. Später ersetzt eine Kapuze die Kopfbedeckung. Warum nicht zum Alter stehen? Das mag sich der eine oder andere Fan sicher gefragt haben. Wie sang Murphy doch selbst: „Time has got nothing to do with it“.

Peter Murphy ist älter geworden – und hat wirklich nichts von seinen musikalischen Qualitäten verloren. Murphy war Bauhaus und ist jetzt Murphy – der Solist, der im Capitol mit seiner erstklassigen Band ein solides Konzert abliefert. Eindrucksvoll stellt er unter Beweis, was es heißt, sich als eigenständiger Künstler weiterzuentwickeln, statt als blasser Schatten „undead“ durch die Clubs zu tingeln.

Versteckt sich im Gegenlicht der Scheinwerfer: der ehemalige Bauhaus-Frontmann Peter Murphy.

Foto: ts

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