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„Let the sunshine in...“ – Das Landestheater Detmold mit dem Musical „Hair“ im Theater Hameln

Als das Nichtstun den Alltag beherrschte

Hameln. Sie begehren auf gegen die Zwänge einer Gesellschaft, die auf Leistungsdruck, Unterordnung und auf überholten Moralvorstellungen beruht. Sie wollen Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung und Toleranz. Sie tragen lange Haare und kleiden sich bunt und fantasievoll. Sie verbrennen ihre Einberufungsbescheide, sie lehnen den Vietnamkrieg ab. Sie nennen sich Hippies: eine Jugendbewegung in den USA – frech und provokativ. Wir schreiben das Jahr 1968. Die Autoren Gerome Ragni und James Rado haben das Lebensgefühl eines großen Teils der amerikanischen Jugend formuliert, Galt MacDermot hat eine rockige Musik dazu geschrieben – und eins der erfolgreichsten Musicals ist geboren.

veröffentlicht am 06.05.2012 um 14:07 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:21 Uhr

Autor:

Jürgen Schoormann
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Aber ist das noch aktuell? Und wie lässt es sich einem Publikum von heute vermitteln? Der Regisseur Dirk Böhling greift zu einem Trick: er zeigt das Ganze in Rückblende. Die damals junge Sheila ist jetzt Mutter und Oma und erzählt ihrer hektisch als Eventmanagerin mit Handy und i-Pad agierenden Tochter und ihrem Enkel, was sie vor über 40 Jahren in der Hippie-Gesellschaft erlebt hat. „Make love – not war“ hieß eine der Parolen, und das Nichtstun beherrschte den Alltag. Alle waren glücklich und zufrieden – auch dank der häufig kreisenden Joints.

Die Inszenierung stützte sich wesentlich auf eindrucksvolle Ensemble-Szenen, in denen Tanz und Gesang restlos überzeugten und immer wieder Szenenbeifall hervorriefen. Die aus Tänzern und Darstellern gemischt zusammengesetzte Truppe agierte mit vollem Einsatz und überschäumender Spielfreude. Bühnenbild und Kostüme (Petra Mollérus) gaben den passenden Rahmen für eine rasante, aber stellenweise auch nachdenklich stimmende Aufführung.

Herausragend mit einer überzeugenden, ja teilweise zu Herzen gehenden Darstellung: David Jakobs als Claude.

Und wie erklärt es sich, dass dies Musical gerade jetzt nicht nur in Detmold, sondern auch in Stuttgart, Kassel und anderswo neu auf die Bühne kommt? Ist unsere Leistungsgesellschaft etwa wieder einmal dabei, einen Teil ihrer Jugend ins Abseits zu stellen? Allerdings steht der Enkel am Schluss weder mit einer Waffe, noch mit Handy oder i-Pad auf der Bühne, sondern mit einer Gitarre...

Stehende Ovationen, minutenlanger Beifall und viele Zugaben.



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