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Kulturforscher Wolfgang Schneider antwortet

„Alles aufzugeben, ist halsbrecherisch“

Herr Schneider, als Deutschlands einziger Professor für Kulturpolitik beschäftigen Sie sich an der Uni Hildesheim mit der Kulturförderung. Fühlen Sie sich durch die Thesen der vier Autoren bestätigt?

veröffentlicht am 15.03.2012 um 19:35 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:21 Uhr

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Die Rede vom Kulturinfarkt ist Quatsch. Der Begriff hilft vielleicht beim Marketing, sonst hilft er nicht. Denn ein Kulturinfarkt würde ja bedeuten, dass das System sich selbst kaputt macht und kollabiert. Das ist natürlich nicht der Fall. Die Idee, einfach so fünfzig Prozent der Kulturförderung anders zu verwenden, entspricht einer romantischen „small is beautiful“-Vorstel-lung, die aber jedem Verständnis in unserer Gesellschaft zuwiderläuft, wonach Qualität durch Wachstum definiert wird.

Wenn es nach dem Willen der Autoren geht, soll aber nicht einfach nur eingespart, sondern anders verteilt werden.

Was die Herren da zum Besten geben, ist auch der Leuchtturmblick auf die Bundesliga der Künste. Da wird die Kulturpolitik in Deutschland auf die bekannten Institutionen reduziert. In der Tat sind ja die Überlegungen des Autorenteams richtig, aber sie führen leider zu falschen Konsequenzen. Das alles dient mehr der Provokation als dem vernünftigen Diskurs.

Aber es ist doch nicht alles nur Unsinn?

Nein, die Aussagen darüber, was sich in den vergangenen zehn Jahren alles in die falsche Richtung entwickelt hat, kann ich nachvollziehen. Es ist ja richtig zu fragen, ob man jede Oper unbedingt erhalten muss. Vielleicht hat sich hier tatsächlich manches überlebt. Auch ich fordere ja seit Jahren eine Umorientierung, Umverteilung und Umstrukturierung in der Kulturpolitik. Aber es wäre halsbrecherisch, das alles aufzugeben, wofür Künstler und Kulturvermittler jahrelang gekämpft haben. Es geht nicht darum, die Kulturförderung abzuschaffen, sondern darum, möglichst viele an ihr zu beteiligen.



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