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„Die Rathaus-Amigos“ mit Baumann & Clausen im Theater

Alles alte Käffchenfreunde

HAMELN. Schlicht Kult – und fast alle wissen, was sie erwartet und worauf sie sich freuen dürfen. Baumann & Clausen liefern prompt und zuverlässlich Kalauer auf Kalauer. Da purzeln die Pointen im Minutentakt.

veröffentlicht am 28.04.2017 um 14:48 Uhr

Kalauer-Virtuosen: Bei Baumann & Clausenliefern purzelten die Pointen im Minutentakt. Foto: Alexander Baumbach (Wedding Sniper)
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Autor

Richard Peter Reporter
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Alles läuft wie geschmiert – doch genau das ist auch das Ende der beiden „Hochleistungsbeamten“, was bereits ein Widerspruch in sich ist. Denn die mutieren zum „Geselligen Beamten-Duo“ mit neuem Programm. „Die Rathaus-Amigos“ – Hamelner Erfindung wie vor ein paar Tagen vermutlich eine Papenburger, wo sie ebenfalls gastierten. Vom Bürgermeister hochkant gefeuert, dem allerdings später wegen Bestechlichkeit allemal ein Fifa-Posten sicher ist.

Anders beim Käffchen-Duo, das nach 21 Jahren Bauamt-Gemütlichkeit ins Grübeln kommt. „Du denkst?“ fragt Baumann ungläubig – „das war noch nie deine Stärke“. Gilt auch für Fremdwörter. Was er als „Suppe spendieren“ liest, erweist sich als „suspendiert“. Und aktuell gesucht: „Neue Anforderungen ohne Anforderung“ und als Selbsterkenntnis: „Wo andere anpacken, lassen wir los“. Und was als „klarer Kopf“ gefragt ist, verschwimmt zum „Klaren im Kopf“. Wer als Bauamt Pinkelbecken auf 1,97 Meter schraubt – die dafür allerdings auch immer sauber bleiben – ist hoffentlich irgendwann am Ende.

Ein Neuanfang steht an. Wechsel vom Pausennehmer zum Arbeitnehmer. Im Staatstheater wird ihnen per Mail ein Posten als Rollenverteiler angeboten – Klorollen. Und „Bezahlung nach Leistung“ kann sich Clausen nicht vorstellen: „Davon kann ich nicht leben.“

Was Baumann & Clausen alias Jens Lehrich und Frank Bremser auch am Donnerstagabend auf unserer Bühne wieder auszeichnet: Sie vekaufen ihre Pointen perfekt als Spontaneinfälle – lachen über sich selbst und nehmen witzig, was beim Beamteneid so nicht vorgesehen sein dürfte. Sehen sich selbst als eine Art Ernie und Bert aus der Sesamstraße und Dick und Doof, was sie beides nicht sind. Der Witz ist vorgegeben schon beim Auftritt mit Krücken. Pointe: „Muss ich nicht in den Außendienst.“

Was die beiden zu Lieblings-Beamten werden ließ: weil sie jedes noch so kleine Klischee von und über den so exklusiven Rathaus-Geheimbund gnadenlos bedienen. Und bedient auch bei mehr Meetings und bei einem der wahllosen Treffen so beschlossen – was heißt: mehr Brötchen. Sozusagen: fröhliches Metteinander. Und schon nach spätestens drei Minuten wird vom Publikum im so gut wie ausverkauften Haus begeistert geklatscht. So spontan wie rhythmisch. Und das Besprechungs-Käffchen bereitwillig und wissend mit „Bingo“ ergänzt.

Immer wieder eingeschoben und quergestellt: Songs und kleine Sketsche. Nach einem Blechschaden singt Baumann auf seine Gattin als laufendem Meter: „Hauptsache Dir geht’s gut. Ist ja nur Blech“ – und als Ehemotto zitiert: „Ja, wir schaffen das.“ Wie auch die Umstellung auf die „Rathaus-Amigos“. Clausen reimt „Hackbraten“ auf „kaum abwarten“ und ins Parkett geschmettert: „We will, we will hack you.“ Und nichts ausgelassen – Ikea als „Möbelhaus des Grauens“, getoppt von dem „Tag an dem Schwiegermutter kommt“ – und immer wieder die Gattinnen, Gertrud, die schon „so oft zu kurz gekommen“ ist und auch Ella bekommt mit „Rundreisen“ ihr Fett weg. Fast zwei Stunden Quatsch, der auch diesmal wieder ankam und frenetisch gefeiert wurde.

Zugabe mit Stichwörtern aus dem Publikum wie topografisches Suchsystem, dem Rattenfänger, Weserspucker und der alte „Eierwärmer“, der für Geknicker wie auf dem Schulhof längst vergangener Zeiten sorgt. Finale mit Käffchen-Vielfalt wie von Heck gehaspelt. Wie heißt es schon in Goethes Faust: „Hier ist des Volkes wahrer Himmel.“

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