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Wuppertal schließt sein Schauspielhaus – wird es nun abgerissen?

Allerletzter Vorhang

Wuppertal. Der allerletzte Vorhang im Wuppertaler Schauspielhaus ist gefallen. Das Gebäude ist endgültig geschlossen worden. Die letzte Protestwelle baut sich lautstark auf. Zuschauer und Schauspieler skandieren: „Wir wollen Schauspiel!“ Dann ist Schluss. Nach fast 50 Jahren wurde die letzte Vorstellung gegeben. Für eine Sanierung hat die Stadt kein Geld. Könnten andere Städte dem Beispiel folgen?

veröffentlicht am 02.07.2013 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Dorothea Hülsmeier
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Der Niedergang kam schleichend. Die große Bühne ist seit 2009 geschlossen. Nur noch mit einer Sondergenehmigung durfte auf einer provisorischen Bühne im Foyer vor 130 Zuschauern gespielt werden.

Intendant Christian von Treskow verabschiedet jedes Mitglied der Truppe persönlich. Dann setzt er zu einer verbitterten Rede darüber an, wie die Stadtspitze das Schauspielhaus dem Untergang geweiht habe und es von den Zuschauern gemieden wurde. „Ab morgen werden wir an diesem Haus als Bürger dieser Stadt vorbeigehen. Vielleicht werden wir traurig sein über den Verlust, vielleicht wütend, vielleicht aber auch ebenso gleichgültig wie die Mehrheit der Menschen, die täglich hier vorbeikommen“, sagt er.

Einige Zuschauer haben Tränen in den Augen. „Es ist eine Schande“, sagt Yvonne Dehnert, die mit ihrem Mann seit mehr als 30 Jahren eine treue Theaterabonnentin ist.

Zur Eröffnung 1966 hatte Heinrich Böll seine berühmte Rede „Die Freiheit der Kunst“ im Schauspielhaus gehalten. Seit Jahren rottet das elegante Theatergebäude mit seinen Granitwänden und viel Marmor vor sich hin. Am Haus wächst das Unkraut meterhoch. Viele Fensterscheiben sind blind. Nur im Eingangsbereich hat das Ensemble Fotos aufgehängt und die Fenster geputzt.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Theaters hat sich seit Bölls Rede geändert. Wuppertal hat seine Bühnen einer Schrumpfkur unterzogen. Für zwei Spielstätten hat die Stadt mit 350 000 Einwohnern kein Geld mehr – eine Nachfrage nach 1600 Zuschauerplätzen gibt es nicht mehr. Während das Opernhaus für 25 Millionen Euro saniert wurde und als Bühne für das weltbekannte Pina-Bausch-Tanztheater dient, schließt das Schauspielhaus. Auch von Treskow sieht das bei aller Bitterkeit pragmatisch: „Eine kleine Großstadt mit zwei riesigen Theatern, das gibt es sonst nirgendwo.“

Was mit dem leerstehenden Theatergebäude geschieht, ist ungewiss. Die Stadt hat in einem Gutachten mehrere Modelle durchrechnen lassen. So könnte das Von der Heydt-Museum mit seiner Sammlung in das Gebäude einziehen oder ein internationales Tanzzentrum Pina Bausch eingerichtet werden. Mittlerweile wird offen über einen Abriss nachgedacht.



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