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Der Vater von Asterix und Obelix

Albert Uderzo wird 90 und findet Franzosen immer gallischer

PARIS. Albert Uderzo ist einer der beiden Väter der Comic-Figur „Asterix“. Obwohl die Abenteuer vor rund 2000 Jahren spielen, mischt sich sein wichtigster Held auch in der Gegenwart ein, zum Beispiel bei islamistischem Terror.

veröffentlicht am 19.04.2017 um 16:26 Uhr

„Asterix in Italien“ wird das nächste Comic-Abenteuer des tapferen kleinen Galliers heißen. Foto: Egmont Ehapa/dpa

Autor:

Sabine Glaubit

Die Charaktere des knollennasigen Asterix mit Flügelhelm und seines Hinkelstein tragenden Freundes Obelix sind natürlich erfunden. Auch die Geschichten aus ihrem Dorf, das sich mit Hilfe eines Zaubertranks tapfer gegen die Invasion der feindlichen Römer wehrt. Doch je älter Albert Uderzo wird, der an diesem Dienstag (25. April) seinen 90. Geburtstag feiert, desto mehr Ähnlichkeiten entdeckt er zwischen seiner gemeinsam mit René Goscinny erfundenen weltberühmten Comic-Reihe „Asterix“ und dem heutigen Frankreich.

Die Franzosen hätten nicht gewusst, wie die wahren Gallier gewesen seien – doch heute finde er, dass die Franzosen ihnen immer mehr gleichen, sagte Uderzo in einem Interview des französischen Radiosenders „Europe 1“. Vor allem deren Art und Weise, die Welt zu sehen und einander zu beschimpfen, ähnle zunehmend jenen ihrer Gallier aus „Asterix“. Was genau er damit meinte, sagte er nicht.

Asterix-Fans wissen, dass die Gallier von Uderzo und Goscinny rau und barbarisch, aber herzlich sind. Der deutsche Literaturwissenschaftler und Publizist Richard Herzinger hat seine Interpretation zur Welt der Gallier in einem Artikel in der „Welt“ beschrieben: „Das kleine gallische Dorf wirkt wie der diametrale Gegenentwurf zu der kosmopolitischen US-Metropole Entenhausen.“ Uderzo hatte das Dorf in die heutige Bretagne verlegt, weil er diese Landschaft noch aus persönlichem Erleben kannte. Er hatte nicht das Geld, weit zu reisen.

Albert Uderzo. Foto: Etienne Laurent/EPA/dpa
  • Albert Uderzo. Foto: Etienne Laurent/EPA/dpa

Uderzo und Goscinny haben mit „Asterix“ die erfolgreichste französische Comic-Serie geschaffen. Uderzo hat illustriert, Goscinny geschrieben. Die Abenteuer des kleinen Galliers umfassen bislang 36 Alben, ein weiteres soll im kommenden Oktober erscheinen. Mit Band 35 wurde die Serie von dem französisch-schweizerischen Comiczeichner Didier Conrad und dem Texter Jean-Yves Ferri übernommen.

Nach dem Tod von Goscinny im Jahr 1977 produzierte Uderzo die Alben allein weiter. Doch die Kritik der Fans wurde mit den Jahren immer lauter. Im Oktober 2012 wurde schließlich der Wechsel angekündigt, auch deshalb, weil Uderzo an Arthrose leidet und nicht mehr zeichnen kann. Ratschläge gebe er noch weiterhin, erklärte er. Auch darüber hinaus ist Uderzo noch im französischen Alltag präsent. Nach dem Terroranschlag auf das Magazin „Charlie Hebdo“ veröffentlichte er 2015 eine Zeichnung, auf der Asterix und Freund Obelix traurig die Helme abnehmen und sich – offensichtlich vor den Toten – verneigen.

Der Asterix-Erfinder wurde 1927 als Sohn italienischer Einwanderer in der Nähe von Reims geboren. Bereits als 14-Jähriger zeichnete er für einen Pariser Verlag und erfand Figuren wie den jungen Reporter Luc Junior oder den Kaperkapitän Pitt Pistol. Ende der 40er-Jahre gehörte er zu den erfolgreichsten Zeichnern seiner Generation – trotz seiner Farbenblindheit. Doch wohlhabend machten ihn erst die weltweit millionenfach verkauften Abenteuer des kleinen Galliers.

Auch Uderzo hat etwas von seinem Comic-Helden. Er gilt als ebenso streitlustig wie Asterix. In den 90er-Jahren zoffte er sich jahrelang vor Gericht mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Ab 2008 stritt Uderzo mit seiner Tochter Sylvie. Er hatte seine Anteile dem Großverlag Hachette verkauft und seine Tochter als Chefin des Albert-René-Verlages entlassen. Zuletzt ging es dann darum, dass sie ihn entmündigen lassen wollte, weil sie befürchtete, Bekannte würden seinen Gesundheitszustand für eigene Zwecke ausnutzen.

Heute sei das Kriegsbeil begraben, sagte Uderzo dem Radiosender. Darüber sei er sehr glücklich. Denn jetzt könne er hin und wieder für sein Enkelkind zeichnen.

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