weather-image
10°
Auch wenn den beiden Musikerinnen zuletzt die Songs ausgehen: Das Pop-Duo Boy lässt sich im ausverkauften Capitol zelebrieren

Akkord im Dunkeln und ruhige Gemütlichkeit in den Saal gezaubert

Hannover. Wenn der Schlachter keine Mortadella mehr hat, preist er eben Mettwurst an. Und wer samstagmittags in der Auslage beim Bäcker Croissants sucht und sucht und nicht mehr findet, entscheidet sich spontan fürs Hörnchen. Was aber macht bitte eine Band, der auf der Bühne die Musik ausgeht? Boy, jenes aufstrebende Pop-Duo, das Herbert Grönemeyer entdeckt haben soll, wissen das auch nicht. Aber sie haben am Freitagabend im aus allen Nähten platzenden Capitol eine Menge Ideen für den Fall der Fälle – er scheint ihnen bei dem Abschlusskonzert ihrer Tournee nicht ganz neu zu sein. Singen die beiden Musikerinnen eben noch mal mit den Jungs von der Support-Band Husky einen Song. Und wiederholen sie einen anderen. Oder gleich alle? Da haben die Mitsinger, Mitschunkler und Mittänzer im Publikum längst alle zwölf Songs und auch einen brandneuen („A Hotel Room Is A Hotel Room Is A Hotel Room“) ausgelassen zelebriert.

veröffentlicht am 11.03.2012 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

270_008_5313547_ku103_1203.jpg

Autor:

Julia Marre
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Dass das Konzert in solch einem Euphorietaumel endet wird, ist früh vorhersehbar. Immerhin ist es schon lange ausverkauft – und aus Platzgründen vom Musikzentrum ins größere Capitol verlegt worden. Als Valeska Steiner und Sonja Glass an diesem Abend um kurz nach 20 Uhr die Bühne mit den drei Australiern der Band Husky betreten, johlt und pfeift, jubelt und kreischt es im Saal. Das matte Vorprogramm von Husky – die musikalisch so klingen, wie die unehelichen Kinder von Mumford & Sons und den Fleet Foxes es wohl täten, ist bei den vielversprechenden Voraussetzungen leicht überstanden.

Boy beginnen ihr herrlich unaufgeregtes Konzert mit einem Akkord im Dunkeln. Überhaupt: Schummriges Licht und ganz, ganz langsam flackernde Glühbirnen zaubern ruhige Gemütlichkeit in den Saal. Die zarten Popsongs vom Debütalbum „Mutual Friends“ – es hat Platz 9 der deutschen Charts erreicht – klingen live wie aus dem Dornröschenschlaf geküsst. Überraschend forsch sind sie für die Liveband mit Schlagzeug, Percussions, Klavier, Gitarre, Melodika und Bass arrangiert. Der Mut tut gut. Denn trotzdem bleibt die Musik von Boy glücklicherweise Wellness fürs Ohr. „Auch in der Schweiz gibt’s Idioten“, erklärt die Zürcher Sängerin Valeska Steiner, bevor sie den Song „Boris“ singt. In der Ballade „Waltz For Pony“ geht es um die Zeit, jenes hungrige und Erinnerungen fressende Biest. „Skin“ ist eine mitfühlende Ode an all die einsamen Großstädter. Und in „Silver Streets“ darf, wer mag, die Tonleiter mit „La-la-las“ erklimmen.

„Ihr seid ja wahnsinnig, Hannover“, bedanken sich zwei sympathische Musikerinnen überwältigt. Alle anderen im Saal haben dazugelernt: Dass einer Band die Songs ausgehen, ist nicht der schlechteste Ausgang eines Konzerts.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt