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Ein Vierteljahrhundert Popkultur: Buch zeigt Werke von Jamie Hewlett

Affen, Popstars und ein Mädchen im Panzer

Er war nicht nur dabei, er war mehrfach ganz vorne: Er schuf mit „Tank Girl“ eine Ikone der 90er Jahre und war im Jahrzehnt darauf einer der Köpfe hinter der gefeierten Cartoon-Band Gorillaz. Ein opulentes Buch vereint nun Arbeiten des englischen Comiczeichners und Illustrators Jamie Hewlett.

veröffentlicht am 15.02.2018 um 11:19 Uhr
aktualisiert am 15.02.2018 um 15:40 Uhr

Gezeichnete Popstars: Die Mitglieder der virtuellen Band Gorillaz, die Jamie Hewlett mit seinem damaligen Mitbewohner Damon Albarn ins Leben rief. Foto: Taschen
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ins Rampenlicht brachte Hewlett das Mädchen mit dem Panzer: Das Tank Girl – ein Punk mit teilrasiertem Schädel und einem Kängurumenschen als Liebhaber – lebt im postapokalyptischen Australien des Jahres 2033. Vier Dekaden vor seiner Zeit wurde das Tank Girl zur Stilikone: Designerin Vivienne Westwood schickte Model Sarah Stockbridge in den 90ern als „Tank Girl“ auf den Laufsteg, die Mode-Gazetten sprangen gern auf. Eine Verfilmung geriet 1995 dennoch zum Desaster.

Glücklicherweise hatte Hewlett ein gutes Händchen bei der Wahl seiner Mitbewohner: Er lebte mit Blur-Sänger Damon Albarn zusammen. Die beiden schauten MTV, waren genervt von all den künstlichen Bands – und gründeten als Kommentar die künstlichste von allen: ihre Cartoon-Band Gorillaz. Albarn kümmert sich seitdem um die Musik, Hewlett um Optik und Geschichte der fiktiven Charaktere. Große Alben wie „Demon Days“ (2005) oder „Plastic Beach“ (2010) kamen dabei heraus. Und Tourneen mit Projektionen der abgerissenen, ebenfalls postapokalyptisch anmutenden Comic-Popstars.

Ebenfalls mit Albarn realisierte Hewlett die 2007 uraufgeführte Oper „Monkey – Journey to the West“ nach dem chinesischen Roman „Xi Yóu Ji“ von Wu Cheng’en. 2009 erhielten Hewlett und Albarn einen British Academy Film Award für ihren animierten Affenfilm zu den Olympischen Spielen in Peking.

Foto: Taschen
  • Foto: Taschen

Ein Buch aus dem Taschen-Verlag lädt nur zur Tour durch Jamie Hewletts 25 Jahre (Pop-)Kultur: Viel Tank Girl, viele Gorillaz und tatsächliche Affen – die Übergänge scheinen beim Blättern mitunter fließend. Charaktere, so lässig wie zynisch-finster, posieren wie für Bandfotos, liebevoll gewandet in stylishe Klamotten – vermutlich aus dem angesagtesten Second-Hand-Laden irgendwo am Ende der Zivilisation.

Heraus stechen dann etwa die Serie „Honey“, in der Hewlett seine Ehefrau, die französische Schauspielerin Emma de Caunes, im Stile von Sexfilm-Plakaten der 60er oder 70er inszeniert, ein Satz Tarot-Karten oder auch Tusche-Zeichnungen von Pinien.

Eine hübsche gestalterische Idee im Buch: auf Transparentpapier gedruckte und so besonders lebendig anmutende Entwurfszeichnungen Hewletts. Ein würdiger Abschluss, denn, wie der Künstler selbst findet: „Zeichnen ist eine Flucht aus all den unnötigen Dingen des Lebens, die dem Freisein im Wege stehen.“


Info: Jamie Hewlett, Herausgeber: Julius Wiedemann, Taschen, 424 Seiten, 40 Euro.



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