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Abriss: Megaloh und Afrob in Hannover

Hannover (ww). Massive Töne feat. Afrob, Freundeskreis feat. Afrob, Afrob und Samy Deluxe – im Laufe seiner Karriere klang der Künstlername von Robert Zemichiel häufig mit, wenn man die großen Namen der ersten Deutschrap-Generation in den Mund nahm. Mitte der 1990er-Jahre war Afrob, Baujahr 1977, ein gefragter Featureartist, nicht nur in Stuttgart. Auch als er 1999 erstmals solo ablieferte, avancierte ausgerechnet die Single „Reimemonster“, die er mit Ferris MC aufnahm, zum Hit; heute gilt der Track als Stil prägend, ist aus der Liste deutscher Rap-Klassiker nicht mehr wegzudenken. Anfang der 2000er-Jahre feierte Afrob gemeinsam mit Samy Deluxe als ASD Erfolge. Doch so richtig lief es für den in Italien geborenen, als Eritrea stammenden, in Braunschweig, Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsenen Rapper ohne ein „featuring“ nie.

Jetzt ist Afrob wieder auf Tour, und er ist wieder in Begleitung – dieses Mal von jemandem, dessen Werdegang so ganz anders verlief als sein eigener: Nur vier Jahre trennen Afrob von dem 1981 geborenen Berliner Rapper Megaloh, und dennoch lief dessen Karriere erst richtig an, als Afrobs große Zeiten bereits ausplätscherten. Während der Name Afrob mittlerweile nostalgisch an die guten alten Deutschrap-Tage erinnert, hat sich Megaloh durch Fleiß und Technik in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Rapper Deutschlands gemausert. Dass diese beiden so unterschiedlichen Künstler nun gemeinsam durch Deutschland touren, ist Max Herre zu verdanken, der sie im vorletzten Jahr auf seiner „Hallo Welt“-Tour um sich scharte. Nicht gesucht, trotzdem gefunden – und bereit für zweieinhalb Stunden „Abriss“, wie sie kurz vor Tourstart am 1. Oktober in Berlin in einem gemeinsam veröffentlichten Track klarmachten.

Im ausverkauften Musikzentrum Hannover geht das so: Eine Stunde lang zeigt Megaloh, was er kann. Dass er nicht nur ein großer Rapper, sondern auch ein großer Rap-Fan ist, zeigt sich in Anleihen von Creutzfeld & Jakob, Freundeskreis („Esperanto“), Absolute Beginner („Hammerhart“) und Jay-Z, dessen „Tom Ford“ er nach einem gemeinsamen Talkshow-Besuch im letzten Jahr in einen Track über Moderator Kai Pflaume ummünzte. Schließt man die Augen, könnte man hin und wieder meinen, der kanadische Rapper Drake habe neuerdings deutsch gelernt; öffnet man sie, kann man sehen, wie sehr Drakes unverwechselbare Gestik heute auch auf den deutschen Hip-Hop abfärbt. Und Megaloh kann nicht nur Deutschrap-Klassiker, kann nicht nur Drake und Jay-Z – mit „Whiskey Cola“ hat er in diesem Sommer auch einen Swag-Rap-Track veröffentlicht, der Rick Ross das Wasser in die Augen treiben würde.

Wie sehr sich Megaloh und Afrob unterscheiden, wird spätestens nach einer Stunde klar, als das Reimemonster aus Stuttgart-Pfaffenäcker an der Reihe ist: Konnte sich Megaloh wenige Minuten zuvor bei „Endlich Unendlich“ vor lauter Pathos kaum noch auf den Beinen halten, bewegt sich Afrob mit der Unbekümmertheit einer Marionette aus der Augsburger Puppenkiste über die Bühne. Gut gelaunt rappt er sich durch 15 Jahre Deutschrap-Geschichte, von „Wollt ihr wissen“ bis „Rolle mit Hip Hop“, von „Adriano (Letzte Warnung)“ bis zum „Reimemonster“. Das lyrisch Komplexe war noch nie Afrobs Ding, früher reimte er „Macht euch locker“ auf „ Dieser Sound haut euch vom Hocker“, heute reimt er „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ auf „Ich heb ihn auf und beiß ihn an“. Aber der Mann auf der Bühne macht Spaß, und die knapp 500 Rap-Fans im Publikum sind begeistert.

Als nach zwei Stunden Megaloh und Afrob gemeinsam zum Finale ansetzen, halten sie ihr Versprechen: Die Hütte wird abgerissen. Komplett. Dass der Sound zu diesem Zeitpunkt bereits so übersteuert ist, die Boxen so am Limit arbeiten, dass man von den Texten kaum noch etwas versteht, stört da auch nicht mehr groß. Das Experiment „Hip-Hop-Veteran geht mit Soldat auf Tour“ ist geglückt.

veröffentlicht am 05.10.2014 um 17:19 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 16:21 Uhr

Megaloh Afrob Musikzentrum Hannover Hip Hop Konzert
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