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„Frontalangriff auf die Ohren“

50 Jahre Hardrock

Hardrock hat sich allen Moden und Trends erfolgreich widersetzt. Selbst nach 50 Jahren zieht diese Musik Millionen von Fans immer noch in ihren Bann. Wer sind die Wegbereiter und was macht die Faszination aus?

veröffentlicht am 04.01.2018 um 15:43 Uhr

Ein Hardrocker der ersten Stunde: Bassist Roger Glover von der britischen Band Deep Purple. Foto: dpa

Autor:

Matthias Bossaller

Am Anfang war das Riff. Es ist so einfach, dass selbst Menschen, die gar nicht Gitarre spielen können, es auf einer Saite hinbekommen. Gerade die Schlichtheit und die Eingängigkeit machten aus „Smoke On The Water“ einen Jahrhundertsong und Deep Purple zu einer der einflussreichsten Hardrock-Bands. „Ich glaube wir haben mit unserer Musik gewissermaßen den Weg geebnet“, sagte Drummer Ian Paice. Die 1968 im englischen Hertford gegründete Band Deep Purple hat vor rund fünf Dekaden die harte Spielart des Rock auf den Weg gebracht.

Sie ist aber nicht die einzige Band, die diesen Stil mitgeprägt hat. Auch Led Zeppelin und Black Sabbath gehören dazu. Diese drei Combos gelten als die Urväter eines neuen Sounds, der härter war als alles andere zuvor. „Unser erstes Album sollte ein Frontalangriff auf die Ohren werden, mit einem Sound, den man so noch nie gehört hatte: radikal, intensiv und roh“, sagte Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page. „Es begann damit, als der klassische Marshall-Verstärker erfunden war und der Gitarrensound so klang, wie auf der ersten Led Zeppelin oder Deep Purples ‚In Rock‘“, sagte Götz Kühnemund im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der 51-Jährige ist Journalist und kennt sich mit Hardrock und Heavy Metal aus. „Da kam dieser typische Gitarrensound auf, der alle süchtig gemacht hat“, verdeutlichte der frühere Chefredakteur des „Rock Hard“ und jetzige Boss des Metalmagazins „Deaf Forever“.

Selbst nach all den Jahren füllen Deep Purple und andere alte Schwergewichte wie AC/DC oder Alice Cooper noch die Konzertsäle und sind ständiger Gast auf den großen Rock-Festivals. Wie Kühnemund würden wohl auch viele Fans ihr Erweckungserlebnis mit der Droge Hardrock beschreiben: „Das erste Riff, das ich in meinem Leben gehört habe, hat mich so elektrisiert, dass ich diesen Moment immer wieder haben möchte.“

Mit Körpereinsatz: Frontmann Joel O’Keeffe bei einem Konzert mit der Hardrock-Band Airbourne beim Musikfestival „Rock am Ring“. Foto: dpa

Den Hardrock und seine Fans zeichnet eine Beständigkeit und ein bestimmter Wertekonservatismus aus, der ein Gegenmodell zum Zeitgeist mit seinen rasch wechselnden Moden und Meinungen darstellt. Für Hypes sind Hardrocker wenig empfänglich. Dieses Traditionsbewusstsein verhalf dem Genre auch, sich gegen später aufkommende Krisen zu wappnen. Zunächst entwickelt sich der Hardrock aber weiter zum Heavy Metal und brachte in den 1980er Jahren Megastars wie Metallica oder Guns n’Roses hervor. Die beriefen sich auf Vorreiter wie Black Sabbath oder Deep Purple. Dank einem veränderten Medienzeitalter und einem Musiksender wie MTV avancierten Guns n’Roses Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre zu den letzten Superstars des Hardrock-Business. Die Gunners lebten das Klischee des Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Lifestyles wie kein anderer Vertreter und schafften es, ins Bewusstsein des Normalbürgers vorzudringen. „Axl Rose kennt sogar meine Mutter“, bemerkte Kühnemund.

Erst Kurt Cobain und die Grungewelle bescherten dem Metal in den 1990er Jahren eine Identitätskrise. Plötzlich war es uncool, Hardrocker zu sein. Aber der Metal hat diese Krise einfach ausgesessen.

Retro-Rockbands wie Graveyard und Blues Pills tragen neben Airbourne oder The Darkness das Erbe weiter. Und die Fans müssen nicht auf die Klassiker verzichten: Bis vor kurzem haben AC/DC und Black Sabbath noch Generationen in die Stadien gelockt.



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